Schon früh muss ich etwas von den gesellschaftlichen Verpflichtungen von Frauen für Frauen gespürt haben. Meine Grossmutter nahm mich öfter beiseite und sah mir bedeutsam ins Gesicht :

Du musst lernen, den unteren Weg zu gehen. Wenn sie am Spinnrad saß, gab es etwas anderes zu hören: Geschichten aus ihrem echten Leben als Bäurin, ihr Mann, mein Großvater, Pastor, Bauer, Taubenzüchter, Maler und Geigenspieler,- er war praktisch als Bauer unfähig, was wohl hiess, dass sie mit seinem Bruder, für den sie offenbar schwärmte, auf dem Hof alles alleine machen musste, worüber sie umfangreich schimpfen konnte,- aber er hatte den Hut auf und ich habe ihn bewundert, aber nie kennengelernt. Er war schon gestorben, als ich auf die Welt kam

Nach ihm habe ich mich benannt, ohne Vormamen, egal, ob Mann oder Frau, als Mensch wollte ich wahrgenommen werden und andere wahrnehmen…

Nein, ich habe mir nicht alles bewusst machen können oder wollen. Schon früh jedenfalls habe ich mich eingespannt gefühlt: Zwischen den Willen meiner Mutter, den Hohn meines Vaters, die Anforderungen von Lehrern, Schülern, Juroren, die meine Karriere fördern wollten. Nein, sie haben sie gefordert. Erst viel später konnte ich ausbrechen und zu dem finden, was ich mir durch und durch heimlich gewünscht habe:

Erst als alte Frau wollte ich wesentlich in meinem Sinn werden. Erst jetzt. Jetzt kann man mir weder durch Applaus noch Kritik die Freiheit nehmen.

Also los, sage ich !

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