Konfi- Tag !

Das klingt flippig oder wie ? Jedenfalls nicht verbissen. Der Herr Pastor, dessen Sohn mein Mann lange unterrichtet hat, wendet sich an mich. Ich darf mitgestalten, Da gibt es seit Längerem ein Projekt: Einmal jährlich werden die Konfirmanden aufgefordert oder besser eingeladen, oder besser eingeladen, sich auffordern zu lassen, einen Thementag mit allen möglichen Mitteln zu gestalten.
Diesmal ist eine Menge Musikalisches und Kochen und Weltreise und Besuch zuhause und Impro-Theater und Video und eine Stadtbefragung zum Flüchtlingsthema über seinen Sohn und was ich anzubieten hätte.
Sein Sohn als Redakteur Volontär hatte uns ja bei meiner „ Erstöffnung „ des „Nachtischtagebuch „ Gemaltes und Gesameltes auf Papptellern über zehn Jahre interviewt. Dass der nur wenig verstanden hat, läge an meiner Art, zusammen zu fassen, sagt mein Mann.
Ja meinst du denn,- sage ich, – die Menschen wollen noch zuhören? Selber gehört werden wollen sie und das wars schon.-
Gilt auch für dich. –
Ja, gilt auch für mich. –
Ich kriege zum Beispiel nur sehr am Rande mit, wann sich denn getroffen wird. Hauptsächlich würde ich gern meinen Stoff zur Diskussion stellen und herausfinden, was denn passt. Dazu treffe ich den leitenden Pastor. Zuerst hatte ich gedacht, das kann ich nicht machen angesichts meines Vorhabens zu 500 Jahre Luthers Thesen,- dann aber war ich ja auf Gemeinsamkeit aus und dass eine Vorbereitung zur „ Raumstation Zukunft „ Platz haben könnte; dieser Iee, dass eine Serie von Städten Schülern eine symbolische Platzeroberung über mein zusammengesetztes Kartenspiel zur Verfügung stellt. –
Dazu hatte der Herr Pastor kaum den Kopf frei. Ich schon eher für seine Idee vom Zusammenspiel der Kräfte und so wollte ich auch zum Treffen kommen, habe mich also bemüht, den Termin richtig einzusortieren. –
Einen Gang um die Kirche machen, diesen so genannten COOP.WALK, das wäre schon recht, auch einen roten Faden durchs Kircheninnere laufen zu lassen und das über Goldkärtchen mit der roten Aufschrift: „ follow me „ was so ganz nach Christuns klingt nicht wahr ud doch an Google und Co andockt, wei es sein muss, um die Jungen zu erreichen……Aber dass ich meinen COOP. WALK mit „ Hoffnung -für- alle, für – alle -Hoffnung und dann „ alle- Hoffnung- für und dann aus dem Ärmel den Namen Präsident Trump oder Jong Kim Un oder Präsident Erdogan ziehen lassen wollte, das konnte/wollte er auf keinen Fall durchdenken. Zuviel im Kopf. Auch zuviel, um die eine oder ander Mail mal von vorne bis hinten ganz zu lesen.
Keine Sorge, sage ich, als ich das merke, so geht’s jedem von uns und Ihnen eben auch. –
Wäre es da nicht einfacher, gar nichts in egal welcher Richtung zu machen ? Das sage ich natürlich nicht laut, obwohl jeder genau daran denkt. Laut spreche ich über grüne Farben, die wir vielleicht als Reste von einem Malergeschäft bekommen können. Und laut freue ich mich auch über das Angebot, dass es an die Hundert Euro Kostenbeitrag oder Honorar für den „ Konfi – Tag geben soll.
Was soll ich weiter erzählen ? Eigentlich ermüdet es mich. Der rote Faden aus China sollte über Amazon zu spät kommen, also gibt es nur die grün bemalten Pappteller. Die bestelle ich, kriege sie zum Teil sogar gesponsert .
Wir dürfen die Kirche betreten: „ Sie ist jetzt öfter mal unabgeschlossen, sagt der Pastor. Ich bemerke, das stimmt, sobald drin geübt wird, sonst aber nicht und das war immer so. –

Zum Bespechungstag bin ich noch pünktlich, sagt der Pastor, aber ich war vor ihm da, beim Wagen, den ich ausräumen muss. Mir war eingefallen, dass ich die Wolle zur Vertrickung der Menschen miteinander mitbringen könnte, am Sonntag, gewissermaßen zur Überraschung, entdecke dann aber, Überraschungen sind unerwünscht, weil genau an diesem Sonntag neue Kirchenmusiker eingeführt werden „Und es ist alles engmaschig vorbereitet, was das zeitliche Raster angeht, – aber Sie dürfen natürlich… „
Gar nichts darf ich , nur mich ins Vorgefertigte einzupassen, das wäre in Ordnung. –
Am entsprechenden Sonntag bin ich früh da, aber kein Konfi weit und breit, irgendwann aber mal ein anderer Mitgestalter, der Gruppentrommler und die Köchin südameriknisch oder was. Dann irgendwann auch eine Kirchenfrau, sie muss Kirchenfrau sein, weil sie so überkindlich frömmisch daher himmelt, wie ich es von ganz früher her kenne.
Die Kirchens waren immer himmelhoch verzückt oder mindestens glücklich oder eben hoch herrisch, wenn gar nichts mehr ging.
Diese Frau stellt sich endlich als Pastorin vor und dass sie sich unser Tun schon genau vorstellen kann. Fertig. Nein, sie ist nicht fertig sondern lässt Zipfelchen aus ihrem verwegenen freien Christentum heausblitzen: Joker !
Endlich snd auch die jungen Leute da oder Kinder, so könnte man sie noch nennen.
Da erzähle ich erstmal von mir und dass ich in meinem Leben nur wenig nach Regeln gelebt habe, auch in der Schule nicht, was meistens gut war, aber ich habe auch gekämpft und das war wohl noch besser, ich weiss aber immer noch nicht Bescheid. –
Dann versuche ich den neuen Kunstbegriff einzuführen, einen, von dem sie vielleicht schon gehört haben: Konzeptkunst, das ist wie eine Spielregel, dass man nicht auf den Strich treten darf oder eben unbedingt muss oder irgendeine andere Regel beachten.
Zum Beispiel gar nicht hinsehen bem Malen. Wie gewöhnlich lockert diese Übung auf. Wie gewöhnlich finden sich Mädchen und Jungen zusammen oder vereinzeln sich, so wie sonst auch. Sie tauen auf, finden Formen und Farben, eine setzt endlich Strukturströme
aus Farbe auf die Pappen, nimmt ein Spray in Gold-Silber und lässt den Farbstrom damit erstarren. Eine Idee. Die Jungen sofort hinterher. Da wird ein weit dickerer Haufen Farbe hingesetzt und vergoldet. Super, sage ich, Scheisshaufen aus Farbe, vergoldet, damit kannst du als erster auftreten.
Während ich mich um einen Aussenseiter kümmere und die Pastorin rund geht mit entzückten Rufen über die schönen Bildchen, weiss ich nicht, wo anfangen. Fertige Pappen müssen noch trocknen. Die Betreuer versammeln sich schon, die Organisatoren mahnen zur Eile, weil bald die Abhol-Eltern da sind.
Wir also in die Kirche damit und hinten in den Eingangsbereich, wie empfohlen, von wo aus wir abgerufen werden, wenn es soweit ist.
Zuerst eine flotte Musik mit Gruppe und Pastorensohn, dann was und danach was und eine Diashow mit Erläuterungen zum Flüchtlingsdasein und wie man sich dazu stellen soll und die Reportage vom Pastorensohn und das Impro- theater und einiges, was ich nicht mitkriege, weil ich noch Pappen holen muss. Pappen, die endlich trocken sind.
Als wir dran sind, tragen wir sie nach vorne, wo wir um den Altar herum unsere sehr kleine „Raumstation Zukunft „ aufbauen wollen, dieses Konzept zum Dasein: Wir sind da, fordern Platz und nehmen den uns, fertig.
Da sagt der Verwalter Nummer eins, dass das hier jetzt nicht geht, sondern dass die Bildchen am besten unten, entlang der Bankreihen gelegt werden sollten, wo man die Produkte auch am besten bewundern kann.
Und jetzt kommts :
Ich sage nichts.
Denke nur, wie weit die wohl noch gehen werden mt ihrem Nichtverstehenwollen. Und fühle mich in alte Kinderzeiten versetzt, wo wir verwaltet wurden wie die Häschen im Käfig. –
Und ich sage immer noch nichts, denke nur im Kreis herum und dass ich hier raus will, genau wie die Kinder. –

Das dauert. Dann das Auräumen und wie der Herr Pastor sich hilfreich in meiner Nähe herumreibt. Nett ist er ja und serviert mir auch, wie nett er ist und dass der Beschluss dahin geht, mir aber doch ein Honora zukommen zu lassen .
Und , immer noch im Strudel der geschluckten Zumutungen sage ich:
„ Das muss aber nicht sein. „
Zuhause komme ich drauf, dass das natürlich sein muss und wenn es auch nur eine symbolische Zahlung oder sagen wir Abfindung ist.
Genau das schreibe ich sofort an den Herrn Pastor und bekomme bald darauf mein „ Honorar „ von hundert Euro.
Und später eine Mail, ich könnte zum Stamm der Gestalter gehören, die von der Kirche „bedacht „ werden. Das war der Vorspann zu 500 Jahre Luther. –

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