Documenta 14 , 11.06. 2017, ein Zeitzeichen

Neun Mädchen im Haus, Sie haben meine Achtung erworben. Neun junge Frauen aus unterschiedlichen Richtungen und Wohngebieten. Sie haben sich ihre Freundschaften erhalten, obwohl sie sich selbst als sehr unterschiedlich bezeichnen. Sie treffen sich also noch bei uns in der „ Raumstation Dat Huisken „ obwohl schon viele von ihnen an unterschiedlichen Orten leben.
Das ist etwas anderes, als facebooks oder whatsapps „Freundelei „ das ist mit Mühe verbunden und genau deshalb gibt es Chancen zur Veränderung.
Im Vorfeld zweifelt die Organisatorin, ob sie es hinkriegen wird. Sie hat unser Haus über ein Portal kennengelernt und hofft auf Anregung, auf maximale Freiheit vielleicht auch.
Ich sage, du schaffst das, gib nicht auf und sie gibt nicht auf. Trotz einer Magenschäche möchte ich etwas anstoßen, was die Kraft der Frauen unterstützt, weitergeben, was ich über eigene Mühe und Hilfen von außen erworben und weiterentwickelt habe, obwohl ich mit dem Thema „ Geld „ immer noch nicht richtig im Reinen bin. Immer die Fage im Hintergrund: Ob eine Frau jemals ganz mit dem Thema Geld selbstbewusst umgehen können wird ?

Manuela möchte das Portal auslassen, ich zweifele, aber sie besteht darauf. Die Kosten multiplzieren sich zu sehr, sagt sie, also gebe ich nach.
Es wurde ein mehr als gutes Zusammenspiel mit der Gruppe, der eingebaute workshop „ Über Geld,“ mittendrin, – trotz meiner Behinderung. Das heißt, ich verlasse die Mädchen nur ungern ohne eine stimmige Verabschiedung.
Und tue es trotzdem. Hatte ich mir nicht versprochen, das ganze Jahr über möglichst oft zu performen ? Davon ist nicht allzu viel übrig geblieben. Die erste Tour in Hamburg, die zweite, eine abgebrochene Erkundungsreise über Wernigerode für eine Herbstaktion, mehr war nicht.

Ich hätte es wissen müssen. Schon früh morgens ist es heiß und mittags fühle ich mich bereits im Stau. Charly ebenso. Er will raus, will nicht raus, will raus, weiß nicht, wo er im Bus liegen soll. Das Ziel: Die Documenta 14 in Kassel. Zum Glück ist die Autobahn überwiegend frei. Die Stadt Kassel auch überwiegend. Frei von großem Besucherandrang in erster Linie. I
Es ist der zweite Öffnungstag für das große Publikum. Vielleicht kommt das noch. Wir finden auch leicht einen Parkplatz direkt neben dem griechischen Tempel der „ Verbotenen Bücher. „ Gegen 15.00 starten wir in der Allee neben der Einkaufsmeile, Etwa vier Stunden später werden wir diese Zeile, für die man in normalem Schritt kaum mehr als fünf Minuten braucht, geschafft haben.

Gleich zu Beginn ein alter, gebeugter Herr mit Stützstock.
„ Was soll das denn: „ Wählen geht nicht, geht nicht wählen, nicht wählen geht , was soll das ? Das ist doch Blödsinn. „
„ Eine Provokation . „
Immerhin begreift er den Ablauf des COOP.WALK und wahrscheinlich auch, was das soll .
„ Hier ist wohl alles Provokation. „
Ich sage ihm, dass mir seine Reaktion gefällt und das er überhaupt noch reagieren kann, sage, dass es ohne Provokation nicht geht, das Bemerkbar – machen, vielleicht sogar das Denken überhaupt. –
Ich erkundige mich, er ist Beamter gewesen und hat auf Ordnung gehalten. So jedenfalls verstehe ich es.
„ Umso mehr wundere ich mich, dass Sie die Aktion begreifen.“
„ Aber ich will es nicht. Wer nicht wählt, hat ja keinen Einfluss. „
„ Wenn alle diese Parteien, die sich kaum mehr unterscheiden, nicht wählen, wird etwas passieren. Vielleicht kann ein Land, das sich immer noch als „ ganz oben“ empfindet, vielleicht noch früh genug erkennen, wo es wirklich steht und wann man uns geholfen hat, nahc dem großen Krieg nämlich, wo uns Schulden erlassen wurden, die wir jetzt nicht erlassen wollen. Wir schsuen nach Greichenland, aber sehen wir richtig ? „
Jetzt kann er nicht mehr, jetzt macht sein Rücken nicht mehr mit, jetzt will ich auch weiter.
Inzwischen gehen Leute vorbei, lesen, sehen mich seltsame Gestalt mit Gesellenhut, möchten nebenbei itnehmen und begreifen, was natürlich nicht geht.
Ich habe keinerlei Lust, den Event-Schnellkonsumenten irgendetwas näher zu bringen. Charly liegt dazwischen, in den Schattenräumen. Dann zwei Freundinnen auf Farrädern. Sie wohnen in der Umgebung und machen sich immer auf ähnliche Weise schlau, lebendig, bewusst. Mit denen spreche ich und lasse mich besprechen. Nebenbei abenteuern sie ja auch, sind etwa in meinem Alter, fühlen sich bestätigt. Auch im Alter kann man noch was unternehmen. Ob ich meine Aktion ganz anders meine, ist ihnen völlig egal.
Aber es ist stickig geworden. Mir perlt der Schweiß. Charly hechelt, kriegt immer wieder Wasser, legt sich ab. Besonders gern bei Damen, die seine Charme entdeckt haben. An einem Gasthaustisch eine Gesichtslose mittleren Alters und eine magere Blonde, seltsam krank insgesamt. Ihr gegenüber ein junger Mann, offenbar ihr Sohn. Ich bohre nach seinen Wünschen, merke, der gehört schon zur männlich schweigenden Kohorte, gebe auf.
Jetzt bin ich da, erkenne Zusammenhänge, sehe Konstellationen, muss mich hüten.
Also will ich weiter, werde aber von einem etwa acht- bis neunjährigen Mädchen aufgehalten. Sie will wissen. Da bin ich gleich drin, flüstere von Märchen und drei Wünschen, von den drei Prinzen und wieder Wünschen, die zu Hilfen werden. Was sie sich denn Besonderes wünschen würde, frage ich sie. Sie denkt sorgfältig nach, lässt sich Zeit. Währenddessen kann ich sie nicht erreichen, will es auch nicht. Schließlich weiß sie es. „ Keine Schuje mehr, „ sagt sie und sieht sehr bewusst aus.
„ Keine Kriege in der Welt. „ Während sie denkt, bin ich draußen, bestaune ihre Konzentration. „ Genug zu essen und Versorgung für alle Menschen . „
Jetzt ist sie fertig und zufrieden, man sieht es ihr an.
„ Das hast du sehr bedacht und klug überlegt, ich hätte es nicht besser sagen können. „
Sie schaut mich bewusst an, kockettiert keine Spur. Ich staune, dass Menschen sich immer noch vertiefen und ernst nehmen können. Das Bild des Mädchens nehme ich mit. Dass zwischendurch ihr Vater da war, der Texte macht und Bilder dazu und von mir erwartet hätte, ihn zu fragen, ob er mich nicht spontan begleiten könnte, das streiche ich sofort, will keine Oberflächenbebilderer.
Weiter dahinter eine Gruppe abgelagerter junger Damen, offenbar Studentinnen. Denen erkläre ich, will wissen, erkläre wieder und finde mich darin langweilig, also frage ich intensiver, komme aber aus der Langeweile nicht heraus. Offenbar sind die Damen bereits abgefüllt, da kommt nichts mehr zustande außer höflicher Resonanz. Vielleicht sind sie dauerabgefüllt, das zu entdecken reizt mich nicht.
Ich klappere an den Tischen mit Bierrinkern vorbei, merke kaum, das ich selbst gern eins hätte, weiß aber wohl, ich käme dann nicht mehr auf die Beine.
Vor mir also die Tische, dahinter der „ Verbotene Bücher- Tempel und hinter mir die Imbiss- und Getränkewagen, am Ende zwei seltsame Konstellationen: Eine provisorische Hütte für die Polizei und ein VW – Stand, an dem den ganzen Tag niemand steht außer den drei Darstellern , wirklich niemand die ganze Zeit über. Also gehe ich hin und frage, warum die sich nicht vorstellen konnten, dass sie hier nicht gefragt sind angesichts der vergangenen VW Skandale und soll mitnehmen, dass andere noch viel schlimmer sind.
Damit gebe ich mich nicht ab, erfahre aber immerhin, wo und wie man neues Wasser für den Hund und mich bekommen kann, sage also danke.
Die Polizei ist auch völlig arbeitslos und lässt sich ab und zu bei den VWlern sehen, als Kumpel im Warten vielleicht.
Da bin ich weiter, werde wieder von einem Mädchen aufgehalten. Einem wieder etwa neunjährigen Kind mit rötlich gefärbten und durch kleine Flechtereien gelockten Haaren, in T-shirt und einer schwarzen, wild durchlöcherten Strumpfjose. Irgendwie aufreizend. Sie geht um Charly herum, immer wieder auf ihn zu, sodass er sich allmählich zurükzuziehn versucht. Ich spreche sie an, frage nach ihrem Namen. Sie heißt Jolyne. Wieder bitte ich sie, sich drei Wünsche zu überlegen. Das dauert. Wahrscheinlcih, weil sie nur Charly sieht. Endlich kommt doch ein Wunsch, etwas über Frieden oder Versorgung für alle, aber ohne Dabeisein vorgetragen, sodass ich es kaum mehr weiß. Zwei weitere Wünsche schlag ich ihr vor und versuche, sie zum Anwesendsein zu gewinnen. Als sie endlich soweit ist, guckt das grämliche Gesicht einer älteren, schlanken Frau um die Ecke, offenbar ihre Oma. Wo sie denn bleibt, will sie wisen. „ Aber, sage ich, warum soll sie denn Eile haben, warum sollen denn alle Menschen immer Eile haben. Jolyne ist gerade hier und da passiert was. „
Die Frau erklärt, dass aber die Familie da sitzt und wartet. „ Die kann auch einmal ganz alleine da sitzen und muss überhaupt nicht warten. „
„ Haben Sie eine Ahnung. „
So geht es eine Weile hin und her, bis ich erfahre, dass Jolyne sich nicht konzentrieren kann und renitent ist,nebenbei auch ADS hat. Ich antworte nur: „ Haben sie alle, das ist die Zeit, nicht die Kinder.
„ Aber Jolyne hat schon mehrere Heime hinter sich und jetzt ist sie bei mir, aber, wenn das so weiter geht, nicht mehr lange. Sie hört ja nicht. „
„ Warum soll die denn auch hören, wenn sie nicht wahrgenommen wird. „
Da erfahre ich ihre ganze Geschichte und ahne die Geschichte der Mutter und die der Oma dazu, gebe auch meinen Respekt gegenüber der Geduld der alten Frau zu verstehen. So meine ich es. Das versteht die Frau und fängt an zu erzählen. Ich weiß es auch nicht besser, nicht gleich und nicht später, weiß nur, dass Jolyne Beständigkeit braucht. „ Und sie brauchen eine Geschichte, die sie als die Oma dieser kleinen Person ertragen können. Ich sehe das wache Gesicht mir gegenüber und begreife noch mehr.
„ Aber wenn ich nicht mehr kann ? Die macht ja immer nur, was sie will. „
„ Ja, sie muss austesten, wie weit Ihre Geduld und Liebe reicht. Und ich weiß genau, Sie werden es bis in Ihren Tod hinein nicht ertragen können, wenn Sie es nicht schaffen sollten, diese Liebe aufzubringen. „
Es endet damit, dass sie weicher wird, auf einmal Zeit hat, meine Adresse bekommt und sich wohl irgendwie erleichtert fühlt, weil sie sich verständlich machen konnte. Und damit kommen wir zurecht und können weiter.

Die Objekte haben inzwischen in der Kurve gestanden, führungslos. Noch einmal: An den Ständen vorbei, den Tischen, der Polizei und dem VW- Stand. Spätestens hier, beim Übergang zur Hauptbühne, den Liegestühlen an der Front zur Schau der Brandung der „ Verbotenen Bücher „ hätte ich die Munition zünden können, die ich leicht in den Säulen der Objekte hätte verstecken können und dann wären sie auf einmal in Arbeit gekommen, die gelangweilten Polizisten.-
Tatsächlich wartet hier ein gut gewürfeltest Publikum auf Godot. Und der bin ich. Wie ich mich da bereit mache, an den Stufen der gähnend gelangweilten Denkkulisse entlang zu laufen, nehme ich einige inspirierte Blicke mit. Zum Beispiel den eines weißhaarigen Mannes. Den besuche ich sofort, will wissen, was er von der Welt weiß. Er ist Österreicher. Die wissen alles und nichts, Wir kommen sofort auf Joseph Beuys zu sprechen und auf den anderen, dessen Namen ich immer wieder vergesse.
„ Jaja,“ sagt er, „ B.B. Wahrscheinlich. „ Da weiß ich es wieder. Ja, Bazon Brok, der sich selbst Schwätzer genannt hat und als Professor natürlich dauerschwätzen konnte. –
„ Wir sind wahrscheinlich hinter die Zeit zurückgefallen,“ sage ich und gehe weiter. Keine zehn Schritte und ich werde von einem Mitglied der Security aufgehalten. Ich soll mich hier vom Acker machen. „ Oder haben Sie eine Erlaubnis ? „
„ Zum Gehen und Stehen braucht man wohl noch keine Erlaubnis. „
„ Hier aber schon. „
Ende des Liedes. Die Polizei in Dreifachverkörperung. Einer hat das Sagen. Ein ganz Smarter. Er legt mir nahe, gleich zu gehen. „ Hinter den Café Anlagen können Sie laufen, soviel Sie wollen. Natürlich widerspreche ich. Und endlich so laut, dass der Smarte telefoniert, um sich abzusichern. Da habe ich schon mit dem Liegestuhlpublikum Kontakt aufgenommen, meine Lage dargestellt.
Als die Herren tätig werden wollen, steht mir ein Paar zur Seite und siehe da, ich darf mich an Ort und Stelle setzen. Ich darf sogar was trinken und dann gehen. Es soll auch eine Stelle da sein, die für Anmeldungen ähnlicher Art zuständig ist. Sag mir bloß einer was von Zuständigkeit und meine Fußnägel schwellen an.
Es beginnt zu tröpfeln.Liegestühle leeren sich, Sonnenschirme werden eingezogen, aber das Wetter macht weiter wie vorher, jedenfalls grobflächig.

Eigentlich möchte ich mich noch mit der zuständigen Genehmigungsstelle, die dann auch wieder nicht zuständig sein wird unterhalten, sehe aber außer ein paar Läden nichts, was ein dokumentafreundlich wegweisendes Gesicht aufgesetzt hätte. Endlich ein umgebauter Pelz- oder Lederladen direkt vor der Nase, in dem Studenten mit „ Was-kann-ich-für-Sie-tun-Gesichtern herumsitzen und auf kleine Laptop-Stationen hinweisen, die außerdem befragbar sind . „ Wir natürlich auch . „
In dieses „Wir-natürlich-auch „ setze ich meine Fragen nach Ort und Zeit und Bestimmung von Dokumenta und Menschen, zum Beispiel diesen beiden, die weder was von Kunst verstehen, noch offenbar etwas von Zeitgeschichte und Wirtschaftsrecht, was sie aber studieren,- beide. Klar, dass ich streitlustig bin, aber nicht allzu sehr. Ich bin da wohl in einen Flirt von einem zum anderen geraten und niemand wollte von niemandem nichts, vor llem nichts von einer alten Frau, die auch nichts will außer nörgeln.

Ein kleines Weizenbier und ich habe keine Lust mehr, für irgendetwas zu stehen außer für Charly und mich.
Eigentlich möchte ich mich noch mit der zuständigen Genehmigungsstelle, die dann auch wieder nicht zuständig sein wird, unterhalten, sehe aber außer ein paar Läden nichts, was ein dokumentafreundlich wegweisendes Gesicht aufgesetzt hätte. Endlich ein umgebauter Pelz- oder Lederladen direkt vor der Nase, in dem Studenten mit „ Was-kann-ich-für-Sie-tun-Gesichtern herumsitzen und auf kleine Laptop-Stationen hinweisen, die außerdem befragbar sind . „ Wir natürlich auch . „
In dieses „Wir-natürlich-auch „ setze ich meine Fragen nach Ort und Zeit und Bestimmung von Dokumenta und Menschen, zum Beispiel diesen beiden, die weder was von Kunst verstehen, noch offenbar etwas von Zeitgeschichte und Wirtschaftsrecht, was sie aber studieren,- beide. Klar, dass ich streitlustig bin, aber nicht allzu sehr. Ich bin da wohl in einen Flirt von einem zum anderen geraten und niemand wollte von niemandem nichts, vor allem nichts von einer alten Frau, die auch nichts will außer nörgeln. Es ist das Klima.
Eigentlich ist immer das Klima an allem schuld.
Keine Lust zu gar nichts.
Charly und ich tasten uns über den Parkplatz zu den Wiesenanlagen immer treppab und dann wieder treppauf, nachdem mein lieber, fastweißer Hund einen anderen fastschwarzen zum Spielen gefunden hat.
Dann der Beschluss, rauszufahren. Mein Magen rebelliert und zwar so, dass mein Kreislauf massiv anfängt, zu streiken. Parkplätze um den Kern herum gibt es keine, jedenfalls keine kostenlosen. Also suchen wir die Vorstadt auf. Die Gegend also, wo es kriselt. In der Nähe eines Gymnasiums bleiben wir, aber Charly wälzt sich, hat Not zu atmen wie ich. Im Führerraum schmeißt er sich von einer Seite zur anderen. Ich bekomme hinten keinen Schlaf. Mitten in der Nacht, oder eher gegen Morgen um kurz vor vier stehen wir auf. Gehen bringt Ereichterung vielleicht für uns beide. Immer der Gartenstraße folgen. Die geht wohl um die ganze Welt.
Lautes Geschrei und Geheule reißt uns mit. Da setzt sich eine junge Frau offenbar mit ihrem Freund auseinander. Der ist wahrscheinlich wieder mal mitten in der Nacht zu spät nach hause gekommen, hat sich wohl eine andere gefangen und sie macht jetzt die Hölle los. Es gibt reichlich Filme zur Verfügung für solche Szenen, damit man nicht allzu sehr mitleiden muss. Ich spule einen ab, will schon weiter, weiß es wahrscheinlichkeitsbegründet genau, da beuge ich mich zu der jungen Frau. Sie sitzt mit den Füßen bereits auf der Kreuzung und heult. Ihr Freund hat sich gerade aus dem Staub gemacht, wirll jedenfalls nicht mehr mit warten.
Da erzählt sie das Leid um ihre Freundin, die verschwunden ist, ohne Handy ohne Nachricht, ohne irgendeinen Hinweis, nachdem sie kurz vorher noch gemeinsam in der Kneipe gesessen hatten. Sie hat nur gesehen, dass da ein anderer junger Mann im Spiel war. Einer, den sie nicht kannte. „ Und die Gegend hier wimmelt von schrecklichen Gestalten. Mein Vater ist Polizist, wissen Sie. „
Ich ahne, was da alles sein kann, habe am Abend noch reichlich viele junge Rumhänger gesehen. Und dies ist nicht das Ruhrgebiert, dies ist auch nicht die Statistik aufstrebender Beschäftigungszahlen und von Armut – in – Deutschland – gibt – es – nicht – Berichten.
Habe auch mit Spaß bemerkt, dass der sympathische türkische Imbiss- Mann den jungen Hängern von der Straße für ein paar Cents viele Pommes und Döner mit Salat serviert, mir aber ordentlich was abgezogen hat. Gut so, irgendwie muss es gehen.
Jetzt versuche ich , der jungen Frau klar zu machen, dass das, was gerade passiert, wie mit den klebrigen Kleidern der goldenen Gans sein kann, das Unglück, und dass sie da mit den Beinen auf der Kreuzung ganz schnell in irgendetwas geraten kann und dann folgt ein Unglück dem anderen. Da steht sie auf und sieht mich aufmerksam an. Ich umarme sie , eine Wildfremde. Und sie bedankt sich, dass ich nicht einfach weiter gegangen bin. Wollte ich aber, hätte ich beinahe gesagt, bin aber einfach nur erleichtert. Und sie wird jetzt nach Hause gehen und morgen weiter suchen, wenn sie mehr Kraft hat.
Als wir wieder zurück sind, eine halbe Ewigkeit später, immer auf der Gartenstraße nach, rund um den Globus,- und wir im Bus liegen, umständlich ausgezogen und mit Wasser abgefüllt, weil die Zunge immer noch am Gaumen klebt, da können wir endlich schlafen, Charly und ich. Am nächsten Morgen wehen die Schulkindersprüche zu uns rein, weil die Tür leicht geöffnet ist, ob es nun Gewalttäter gibt oder nicht, da hören wir was von Autos und welche der Vater liebt und welche nicht und was von Schminktipps und wer was gesagt haben soll und wer nicht, Ich fühle mich durchaus nicht in meine Schulzeit zurück versetzt, sondern nur aufbruchslustig, Brauche keine Ausreden über ein notwendiges Gerangel mehr mit denen, die die Dokumenta veranstalten. Keine Besserwisser- Klimmzüge meinerseits, muss auch keine Dokumenta Werke mehr sehen, nichts von Griechenland lernen gewissermaßen. Nur einen gesunden Magen hätte ich gern. Den möchte ich mir mit Heilerde- Kapseln erobern. Und mit einem einfachen schwarzen Tee im Realmarkt. Was für ein Ereignis eine echte Damentoilette sein kann, hatte ich beinahe vergessen. Jetzt weiß ich es wieder und werde diese für eine Weile erinnern.
Wir stapfen zurück, es ist wieder recht heiß. Wir fahren der Nase nach in Richtung Heimat. Da wird es richtig für uns sein mit dem schwachen Kreislauf, der schwachen Verdauung und dem stumpfen Denkapparat.-
Nachträglich weiß ich es nicht mehr genau,- war es der Habichtswald, in den wir gegangen sind ? Immer leicht aufwärts und natürlich wieder abwärts, an den Tümpeln entlang, am Schutzgebiet für kleines Wassergetier vorbei hinein in die Stille und zu uns selbst, auch wenn eine Mutter mit Kindergespann und ein Fahrradfahrer vorbei rauschen. Hier sind wir richtig,- diese Bleibe nehmen wir mit. Die Geräusche auch und das Tempo. Eine Qualität, die keine Fragen mehr stellt, nicht an sich selbst, nicht an uns.
Zuhause schlafe ich einen ganzen Tag durch und noch einen halben, dann einen viertel Tag und dann bin ich fast wieder ganz gesund, aber langsam, sehr langsam.
Es gibt keinen Grund mehr für die Peitsche im Nacken.

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