Vorbehalte hatte ich nicht, nicht einmal Vorstellungen. Mir gefällt es allerdings, wie den meisten Zeitgenossen, wenn jemand beim ersten Kennenlernen nicht allzu sehr im Schatten bleibt. Und das ist genau so. Da sitzt mir ein Mensch in mittleren Jahren zur Seite, ein freier Stuhl dazwischen, mit gewitzten Augen, einem jederzeit wachsamen Blick und geschliffenen Manieren, die auf keinen Fall durchblicken lassen, dass man wichtigere Dinge zu tun hätte. –

Was weiß ich von den wichtigen Belangen eines Bürgermeisters. Ich weiß nur, dass die vorigen immer dabei waren, wenn es eine Fahne zu schwingen gab, eine Grenzleine zu durchschneiden, oder ein paar ein- oder ausleitende Worte zu sagen. Wichtigkeit haben sie vorgetragen,- mal mehr CDU, mal mehr SPD gefärbt, und hier soll die SPD Richtung von alters her da sein, diesmal eher geschoben, als gewählt , – was weiß denn ich , – das sagte ich schon !

Es ist mir sympathisch, dass er die derzeitigen Probleme anreißt,- unser neuer Bürgermeister. Zu viele Straßen, keine Ahnung von neuen Flüchtlingsbewegungen und sicher auch keine sonderlichen Begriffe von Kunst. Die gibt er nicht vor, und wieder empfinde ich dafür nur Sympathie.

Aber ich verstehe mich auf Bewegungen und Leerstände. Ich verstehe mich auf die An-oder Abwesenheit von Geistesgegenwart. Und als der Herr Bürgermeister das mitgebrachte Schreiben über Kooperationsgedanken mit der Kunst von höchstem Format überfliegt, sehe ich, er liest so gut wie nichts. Nicht, weil er nichts davon versteht, – warum sollte er denn , – wohl aber, weil er ganz woanders ist mit seinem Kopf.

Das muss genau gesagt werden. Da war vorher die Rede auf unsere Sitution gekommen und unsere Nachbarn und die Umstände der Veränderungen auf dem neu bebauten Areal, das wir die Ehre hatten, zu erschließen, was dann allerdings sehr schnell in Vergessenheit geraten ist.

Und dann, als ich den Namen dessen sage, der unser Nachbar ist und sich die Verfügungsgewalt über Himmel und Erde, Menschen, Tiere, Pflanzen und sicher auch die Zahl seiner Lebensjahre ausbedungen hat, direkt von Gott, oder dessen Zuhälter, sag ich mal, und zwar mit Bestimmtheit auch die zusätzlichen Gelder, die der Stadt zukommen können, wenn das Städtchen auch das macht, was der gute Nachbar sagt, – da verschanzt der Herr Bürgermeister, dessen Namen man nicht zu laut sagen sollte, um nicht noch mehr Geister zu beschwören, – da verschanzt sich der gerade erst im Amt Angekommene schnell und deutlich sichtbar hinter seinen eigenen Armen. –

Warum, denke ich mir, macht er das ?

Dann wird noch ganz kurz hin und her geschwungen, bis die Sekretärin kommt und schiebt die nächsten Montagsfrauen zum Palavern rein.

Aber ich bleibe rein gedanklich dran.

Und weil ich weiß, das Männer ja zum Glück nicht viel oder sogar nichts von Körpersprache wissen, forsche ich nach und finde es ganz schnell heraus, warum zum Teufel unser Bürgermeister sich so plötzlich hinter seinen Armen verstecken musste. –

Da ist das Bauareal, das lange schon hätte bebaut werden sollen, zur Auflassung und zur Einspruchnahme, rein formal natürlich nur, der Öffentlichkeit zugänglich einzusehen und ausgehängt. Ganz viel Papier.

Die Frist zum Mitreden, pro Forma, ist in ein paar Tagen schon vorbei.

Aber, denk ich mir, die Schriftstücke, die werden so gehalten sein, dass niemand nichts davon versteht, auch sicher nicht die Buchstaben- Bauleute höchstselber, also die, die in den Weisungsplänen hängen und lange nicht mehr in Berührung waren oder nie gekommen sind mit den Grundbedingungen zu Bauvorhaben und so weiter. Mehr muss ich an diesem Tag nicht wissen , habe ja noch anderes zu tun, als mich mit den Arm- und Amtsverschränkten zu befassen.

Also schicke ich meine Sekretärin rein zu mir, die sagt, ab mit den Bürgermeistern und den Himmel und Erde, Menschen, Tiere und Pflanzenbefehlshabern, die im vergangenen Sommer oder gegen dessen Ende hin Bäume abgesägt haben, einfach so, ganz ohne Erhebungen, Prüfungen, Schriftstücke, Eingaben und Aushängungen, einfach abgesägt, wie schon 2007, bei Nacht und Nebel , oder besser noch bei Tage, das fällt weniger auf. So war das, diesmal 2015. Die von 2007, die heimlich Hingemachten waren aber älter und höher noch und vielleicht auch gesünder, – aber die haben sich leicht legen lassen, sozusagen wie von selbst.

Wie das dem Nachbarn einmal wird passieren sollen, hier sehr umständlich gesagt, – das Gesägt- Werden und Umstürzen nämlich, – das wüsste ich sehr gern. Und zwar sofort !

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Bäume,Bäume,Bäume

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