Sehr geehrter Herr Heinrich,

heute und gestern wieder sächsische Horrornachrichten über Ausfälle, ja, körperliche Angriffe gegen Flüchtlinge. Als ob wir in NRW nicht genug davon hätten. –
Dagegen die Erinnerung an die samtweichen Eingaben nach dem Flüchtlings Theaterstück in Wernigerode, theatralisch umgesetzte Zustandsbeschreibungen und Auseinandersetzungen eines Redakteurs mit syrischer Freundin, die Elend in ihrer Heimat und Flüchtlingsdasein am eigenen Leib erfahren hat. Alles scheint schon werweißwielange her !
Damals, im November, waren wir noch auf „ WIRSCHAFFENDAS „ und VOLKJUBELTMIT eingestellt. Meine Eingabe, – wir können uns nur nicht ausmalen, was da alles auf uns zu kommt, – wurde empört aufgenommen. So zu denken vielleicht, aber so zu reden war nicht opportun ! Dann, in derselben Nacht, der Anschlag in Paris und am nächsten Morgen eine Frau, die auch da gewesen sein musste.
Sie läuft direkt hinter mir her, hält mich an und redet noch im Laufen los:
„Sagen Sie mal, haben Sie öfter mal Eingebungen ?“
Darauf war ich nicht gefasst. –
„ Das kann doch jeder spüren, dass da was zu Ende geht und darum die Angst, darum die Wut ! „
Ja, ich habe genau die Eingebungen, die jeder hat, verarbeite sie nur anders.
Mir liegt das Schwarmverhalten nicht so, bin einfach nicht geübt darin und sehe darum aus einer anderen Warte.
Was diese Frau wohl jetzt denkt und wie denken die andern alle.

Morgens so und abends so ?
Möglicherweise.
Dies muss noch vorm privaten Brief hinterher: Mit Gruselgruß !

eyes closed  drawing, dreaming the very best !20160222_102859 (2)