Sehr geehrter Herr Heinrich,

das ist Quatsch,- mit Verlaub, dass Sie mich lieber nicht hätten einladen sollen ! Für mich war eine Menge über alle Erwartungen hinaus Liebenswürdiges in unserem Zusammentreffen, und mindestens ebensoviel Lernenswertes. Allein Ihr Mittun und das Ihrer Frau, ebenso wie Ihre Zeit schenkende Einführung in Ihre schöne und erlebenswerte Stadt,- und dann denke ich wieder daran, wie ich gelernt habe, meinen Hund Charly an der Leine und selber Fahrrad strampelnd neben mir her zu führen.
Ich habe es Ihnen bereits gesagt:
Allein Ihrem Zutrauen ist es zu verdanken, dass ich dazu, trotz schmerzender Schulter, in der Lage war.
Dem gegenüber stehen, trotz alledem, die erwähnten Erkenntnisse über Puppenstubenstädtchen, Städte, in denen wir alle leben,- Berlin und München, auch Hamburg inbegriffen, Puppenstuben mit Vor- und Nachteilen eben.
Die Idyllen werden vielleicht nicht mehr lange stehen , Optimismus hin oder her, Drohnen, die wir bedienen, können auch andere einsetzen: Zu Zerstörungs,- nein, – zu Selbstverteidigungszwecken oder aus Rachegelüsten,-vom Pendelschlag habe ich schon geschrieben
.- Und warum soll Homs nicht auch im Harz liegen oder in Hessen oder NRW ?
Unsere derzeitige Panik, die den neuen Patriotismus mitschwemmt, erzählt eine Menge davon und ich sage nicht,- das betrifft nur die bösen anderen !
Und, bevor uns ähnliche Schläge treffen, könnten wir doch unsere Zustimmung geben. Zustimmung nach Kanzlerinnenart: „ Wir schaffen das „ oder ähnlich,- meinetwegen auch moderat nach neuestem Zuschnitt…
Ich denke, was die Larve für den Schmetterling oder die Kaulquappe für den Frosch, ist unser Gehirn für unser Überleben. Unsere Metamorphosen sind nur unsichtbarer, weil sie im Denken bleiben. Wir können auch Häute abstreifen, Daseinsformen umbilden, wenn es darum geht, uns veränderungsbedürftigen Lebensumständen anzupassen !
Verwandlungsorgan Gehirn. Zuerst klammert es sich fest an Gewohntem, Liebgewordenem, und dann kann es mit einem rationalen Ruck andere Richtungen nehmen. Wie die Grashüpfer, die selbstgenügsam vor sich hin leben, aber in der Gemeinschaft, wenn es nötig wird, in Schwärmen neue, nahrungsreichere Gebiete erschließen und sich von grün in braun färben, je nachdem, wie nahrungsreich ihre Umgebung ist. Warum also nicht den Gedanken zulassen, dass wir hier für Menschen in Not Platz machen und am Ende eine Menge Platz in anderer Form zurück bekommen ?
Noch sind wir Menschen in der Phase des Festhaltens am Herkömmlichen, national Patriotischen.
Ich selber bringe auch eine Menge deutsches Heimatbedürfnis mit, habe vor Jahren Halden von Wollmengen und alte Fotos von Unbekannten, auch Briefe und kleines Werkzeug aus einer alten Weberei abgeschleppt, damit nicht alles verbrannt werden sollte. Und mit all dem überholten Kram, den Webrahmen, über 300 Stück, und Trachten- Stickanleitungen, allem vorn die Erinnerung an die tonartenreiche Stimme der alten Weberin, die eben gestorben war.- Ich hatte das Gefühl, nicht nur einen Teil Flüchtlingsgeschichten schlesisch deutscher Vertriebener zu retten, sondern auch irgendwie mich und uns alle. –
Blödsinn natürlich ! Damals wusste ich noch nicht, was ich mit den Rahmen anstellen sollte, – jetzt sind viele von ihnen Träger von Papptellergeschichten.
Zu einigem, was uns betrifft, was wir ahnen, brauchen wir nur noch ein paar weiter führende Tage und schon wissen wir es, weiß es jeder,- es geht weiter, nur anders !
In den neuen, Vaterlandsbewegungen schlägt sich geahntes Wissen nieder und wenn ein Philosoph, wie Sloterdijk uns wieder wehrhafter will, dann ist es längst zu spät. Armes Europa !
Wir können hinter den rasanten Google Transport triumphaler Gutgehgeschichten vor allem in Deutschland nicht mehr zurücktreten. Google trägt Begehrlichkeiten oder Überlebenschancen bis in den kleinsten Winkel unserer Erde. So gesehen ist die german Angst völlig berechtigt. Und was, wenn wir die Grenzen gegen das Elend in der Welt noch so dicht machen, dass alles Zerbombte, Hungernde sozusagen außerirdisch erscheint, was dann ? Dann sind wir trotzdem zwischen den Zähnen der ehemals sehr armen, jetzt sehr reichen Saudis, den Isis Kämpfern und den Drohnen !
Vorsicht an der Bahnsteigkante, ein Google Maps hat unseren Standort ausgemacht.
„ GOOGLE-izing going global , „ den Patriotismus auch bei auseinander gepflücktem Europa als kleine Euphorie Pille in der Tasche könnten wir eine Weile noch überleben.

Ich weiß nur das: Europäische Menschen auf der Kippe zur Ablösung ihrer gewohnten Vorherrschaftlichkeit sollten ihre Ängste aussprechen dürfen, ( was auch mein Ansatz für Wernigerode gewesen wäre, wie Sie wissen. ) Wer seinen Schatten nicht verdrängen muss, kann sich über kräftig strahlende Sonne freuen.

Heute Nacht habe ich unruhig da gelegen und mit Ihnen gesprochen.
Sie, Andreas Heinrich, können da eine Menge bewirken, erstens in Ihrer Eigenart und zweitens, weil Sie Symphatieträger sind. Lassen Sie sich doch vollreden,- von oben bis unten zureden mit Angstgeschichten über das, was die Leute so sehr bedrückt, dass sie nicht einmal mehr merken, wie gut sie derzeit immer noch leben.
Und darin seien Sie bitte kein oberflächlicher Pflichterfüllungsbürokrat !
Sie selbst könnten dazu auch das Internet nutzen. Zu einer Aufforderung oder Dokumentation. ( was soll die blöde Angst ? ) Das muss nicht immer die Maischberger oder wie sie alle heißen,- sein, die ein heißes Eisen anpacken , und die Prominenten, die zu eigenen Werbezwecken ihr Gesicht hinhalten !
Auch wenn die Menschen wahrscheinlich eher schimpfen werden, als ihre Angst zugeben, können Sie sie dahin führen , dass sie nicht im Hass stecken bleiben, ob mit oder ohne Bibel !
Was glauben Sie, wie reinigend und erleichternd , ja lebensverlängernd es wirkt, wenn Menschen sagen dürfen, wovor sie sich fürchten.
Aber leicht ist ein „Herzkämmerchen Auskehren“ nicht. (Der Weg über den lieben Gott hilft da vielleicht. ) Leichter ist es, dasselbe in PEGIDA Form zu stecken. Wer macht sich schon gern bis zu seiner Angst hin nackt ?
Auch ich nur ungern !
Noch einmal: Ich traue Ihnen und Ihrer Frau zu, dass Sie Menschen aufschließen können und dürfen, weil Sie nicht auf Missbrauch abheben und sich einen Weg ausdenken können, wie und in welchen Kreisen man das am besten auslöst und vorwärts bringt und bringen lässt. So behutsam wie eindringlich, so umstürzend wie insgesamt alltäglich. Es wäre aller Anstrengung wert, und es bedeutet eine Menge mehr , als nur ein paar Kirchgänge, – damit es nicht zu neuem Feuerlegen in Wernigerode kommt. Dies soll jetzt mein letzter öffentlicher Brief an Sie sein. Einen klitzekleinen privaten schicke ich noch hinterher, der ist für die Öffentlichkeit uninteressant !

PS.: Eben taucht die Erinnerung an ein Gefühl in mir wieder auf. Es betrifft die Lampedusa Überforderung in Italien, auf die wir lange lange Zeit nichr reagiert haben und ich mich gefragt habe, warum nicht andere, warum wir nicht einspringen und es hat noch länger gedauert, bis Kanzlerin Merkel ihr Pastorentochterherz wieder entdeckt hat…Kanzlerin möchte ich auch nicht sein !
Übrigens gäbe es für Sie, als Stellvertreter der besonderen Bürokratie Abteilung , mit diesem Event ebenfalls eine Menge zu lernen.

1. Für bloßes Hörerweiterreichen hält man in Zukunft keine Beamtenstellen mehr warm, das schaffen auch Roboter.
2. Für eine Aktion, die man auf den Plan ruft, sollten alle dazu passenden Kräfte mobilisiert werden. Halbherziges Tun schafft halbe Ergebnisse.
3. Reine Marketing Events locken in naher Zukunft niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, was auf das immer schärfer werdende Verhältnis zwischen Arm und Reich zurückzuführen ist.
4. Es gibt viele Schreiber, Musiker , Filmemacher, Maler usw auf der Welt, aber niemanden sonst, der konsequent mit dem symbolischen Billigmaterial Pappteller arbeitet. In diesem Jahr habe ich mein „ Nachtischtagebuch „ – zehn Jahre lang auf einfachste Weise,- jeden Tag eine Pappe markieren, – beendet. Wer nicht mindestens soviel, wie drauf passt, isst, Tag für Tag, – überlebt nicht. )
Marketing technisch nennt man das wohl „ Alleinstellungsmerkmal „ siehe Günter Ückers Nagelbider usw. und nicht nur ich weiß, was das heißt. Es hat einen plastisch symbolischen, zeitkennzeichnenden Stellenwert. Jetzt bestücke ich sämtliche Innenwände unseres Hauses mit diesen „ Lebkuchen „ , was vielleicht nicht schön, aber atemberaubend wirkt. Mal sehen, was sonst noch passiert…..
4. Das heißt auch, dass ich, wie verabredet, mein Material, das in der Gerhart Hauptmann Schule verwahrt wird, oder aufgehängt wurde, im Herbst wieder abhole.
Gern sende ich dauerverregnete, aber trotzdem vergnügte Grüße aus Bad Salzuflen !

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