Sehr geehrter Herr Heinrich,
Ihr Brief hat mir Spaß gemacht, das vorweg ! Er hat mir auch meine Lebensfreude neu bewusst gemacht. Bin ich etwa eine siebzigjährige Oma, die sich am Zaun mit anderen Leuten über Nachbars Nebengeräusche ärgert und ansonsten bis zur Bewusstlosigkeit sauber macht, oder ausruht ?
Danke für die ausführliche Antwort. Um mal rückwärts zu antworten:
Wir geraten doch immer ins Internet, ob mit oder ohne Einwilligung,- auch „die Kinder „.
Im übrigen habe ich ja ein Video, das ich höchstens in größerem Zusammenhang verwerte, ich glaube, die „ Kinder „ haben sich für nichts zu schämen !
Dass die Kirche mal was macht, um ihr Bild zu polieren, oder aus wirklichen Zuwendungsgründen da ist, bekommt ihr selbst und der Stadt Wernigerode gut, – das freut mich !
Ich war auch beeindruckt von unserem Kirchgang, ob aus Vergangenheitsgründen oder wegen der versammelten Menschen,- ich weiß es nicht. Es heißt ja, wo Geistekräfte sich zusammen finden, tut sich was. –
Ich sage aber noch einmal ausdrücklich ( vor allem zu mir selbst ) Ich hätte mich nicht auf ein bedrängtes Tun vor dem sicher gut gemeinten “ Völkerverständigungsoderanwesenheitsfest “ einlassen dürfen. Das eine, der COOP.WALK, ist die Einlassung aufs Unvorhersehbare, ( nicht meine Ansprüche ) , was mindestens einen ganzen Tag Zeit braucht,- das andere, völlig konträr, ein, wie ich erinnere, echt gelebtes vielfältiges Miteinander als wirkliches Fest in einer Marketingshow. Auch ein plakativ gutes Ereignis !
Bedenken Sie: Seit 2002 reise ich mit dem COOP.WALK ohne Neben- oder Mitorganisatoren und es ist immer eine Menge passiert, übrigens auch eine Menge Lustiges und Erfreuliches.

Und dann das: Meinen “ Frust “ würde ich anders nennen, nämlich klaren Blick !  Der ist ja, wenn Sie unbedingt das Wort wollen, nicht nur meiner. Oder soll ich mir nur ja keinen Frust holen beim Anblick zerstörter Städte und Menschen in Syrien und anderswo ?
Ich bin direkter im Ärmelaufkrenpeln, als angepasste Menschen,
manchmal aber auch müder, werde ja wirklich in diesem Jahr siebzig !
Der COOP.WALK ist nach „nine eleven „ in mir aufgebrochen, man kann es nicht anders nennen, und er hat sich bis heute gehalten, weil die pendelnden Menschen in ihrer jeweiligen Situation den Gang steuern und weiter bringen, nicht ich.
Der allgemeine “ Frust “ ist das Zeichen einer auslaufenden Paragraphenherrschaft, der zufolge gute Pflichterfüller bis jetzt noch in sichere Berufe gekommen sind. Wir stecken in der Steigerung. Von der zunehmenden Roboterisierung unserer selbst machen wir uns keinen Begriff, weil wir bis über den Kopf hinaus bereits drin verschwunden sind.
Pessimistin unter Pessimisten ? Wenn das so wäre, liefe ich auch PEGIDA Amok !
Menschen, die wüssten, dass alle Phänomene Pol und Gegenpol haben, bzw sich holen, also ihren Ausgleich  in der Balance zwischen Plus und Minus brauchen und suchen, – hätten nicht hingehen können, um Völker zu kolonialisieren oder zu missionieren  und ihnen Waffen zu verkaufen.
Jetzt schlägt das Pendel zurück. Es geht menschheitsgeschichtlich eben langsamer als es für Individuen in ihrem Lebensablauf geht. Wir werden besetzt, also zurück kolonialisiert, was bedeutet, dass, wenn wir die Grenzen schließen, wir von unseren eigenen Märkten abgeschnitten werden.
Frau Merkel und Co wissen das. Jeder weiß es, wüsste es aber lieber nicht.
Ich  finde diese Entwicklung nur gerecht und sehe ( meinetwegen ) mein Kinderbedürfnis nach Ausgleich darin aufgehoben. – Mit den Gegenkräften innerhalb von Wernigerode und Umgebung werden Sie sicher noch zu tun bekommen, wenn Sie nicht schon betroffen sind. –
Man muss kein Hellseher sein, um das zu wissen und um die Traurigkeit wahrzunehmen, in der gerade Sie oder Sie gerade stecken.
Immer die Symphatie für Sie, wie für mich, wie für jedermann, trotz Auseinandersetzung im Gepäck, stehe ich doch insgesamt zu Ihrer, wie soll ich sagen,- aufrechten Art !

P.S.
Im nächsten Jahr werde ich die Gelegenheit bekommen, die Zentrifugalkräfte unserer Gesellschaft in all ihren Paradoxen, ( mit Pendelbewegung) darzustellen. Ich hoffe, es bleibt dabei. Was für eine Erleichterung, Einsichten im Darstellen los zu werden ! Dazu brauche ich auch die Pappen, die die jungen Leute gestaltet haben und die nachweislich meine sind.
Danke nochmal für Ihre Antwort. Ich erinnere mich gern an Wernigerode,- trotz Wind und Wetter und kaputter Schulter, die jetzt nicht mehr schmerzt. Wernigerode im Hübschen und Konfliktreichen, wie andernorts auch, und besonders gern denke ich an Frau Ganske und die jungen Leute und sehr identifiziert erinnere ich mich an Sie und Ihre Frau. Dass ich selber auch Kind bin, werden Sie ja gemerkt haben !
Ich denke, wir müssen uns nicht dauernd das hübsche Händchen geben, um Zuwendung zu fühlen und fühlen zu lassen !
Mit Grüßen aus einer sehr ähnlichen Provinz, sogar der im eigenen Inneren, und so traurig-fröhlich, wie ängstlich – mutig :

Christiane Felber ( Koppenbrink )

PS. Hier mein Lieblingsgedicht
Von heute auf morgen
ist immer noch genug
Himmel übrig und Erde,
um dich dazwischen
aufzurichten.
Von heute auf morgen !