Frau Scheef vom Lippe Marketing war zuständig. Während fast acht Wochen war sie nicht zu erreichen- Seit etwa acht Wochen ist die Saison vorbei. Es gab auch keine Rückmeldung per Mail. Dabei liest man, dass die Städte Marketing Formationen, die sich auch noch gegenseitig den Rang, das heißt,- die Gelder ablaufen, händeringend neue Ideen zum Kunden- in -Massen- Eintreiben suchen. Knapp vor der Saison gibt es Konferenzen und Kooperationsversuche. Selbstverständlich geht es um nichts anderes, als das. Dumm, wer nicht an Kunden, sprich Geld denkt !
Und so bleiben in der Übergangsperiode, wo kein Außenbetrieb mehr zu erwarten ist, die Telefone weitgehend unbesetzt. In den Zwischenphasen lassen sich Kräfte einsparen und Künstler wie Kunst ist uninteressant. Eine Selbstentlarvung, ein Schuss ins eigene Bein ! Sollte man nicht gerade die Übergangsperioden nutzen, um neu anzuspannen ?

Und was sagen eigentlich die so genannten Künstler dazu, wenn sie bedacht und gleichzeitig übersprungen werden ?

Sie sind es gewohnt.
Mein Graffiti Schild vor der Tür hat Leute aufmerksam gemacht. Sie fangen an, schneller zu laufen, merken, wie eilig sie es wieder haben, doppelt und dreifach Lebensmittel , oder eben die kultigen biologischen, fein repräsentativ zu kaufen. Die einen zum Wegschmeißen die anderen zum Angeben, oder auch zum Beruhigen, was weiß ich. –
Es ist ja Samstag Vorabend. Seit morgens ab neun Uhr ist es Vorabend und wer grüßt, wünscht : Einen schönen Tag „ noch .“ „ Noch und noch und noch“ möchte ich zurück rufen, tue ich aber nicht. Ich, die Aussätzige benehme mich immer noch anständig, wie gehabt.
Stimmen vor der Tür. Vorwiegend türkisch,- jedenfalls klingt es so. Ich habe drei Worte auf Esspappen raus gelegt.
KUNST MACHT ( macht ) ANGST. ANGST MACHT ( macht ) KUNST. MACGT ( macht ) KUNST ANGST. Ein prima COOP.WALK, durch das eigene Da Sein im Tun entstanden. Immer wieder fremd redende Stimmen: Russisch, türkisch, arabisch,- keine Ahnung, was. Vor ein paar Jahren habe ich am Platz vor der Tür mehr Deutsch gehört.
Dann raus mit dem Stuhl, dem kleinen Tisch und weiter gemalt auf den neu gestifteten Pappen. ( Immerhin bekomme ich die jetzt umsonst. )
Zwei Frauen, die sich wieder nicht trauen.
„ Wir haben schon so oft gedacht, was hier denn ist. „
Es interessiert, wem das Haus denn gehört und dass die Flüchtlinge einem ja alles wegfressen, – als ich erkläre, dass die Pappen bedeuten, jeder Mensch auf der Welt könnte genug zu essen haben, -und im nächsten halben Satz,- dass die Eltern ja auch mal Flüchtling waren. – Ich höre Ossi- Deutsch. Nein und ja,- derzeit geht alles durcheinander.. Auf jeden Fall machen die Politiker alles falsch, sprigen von Hü nach Hott und das innerhalb eines Satzes.
Und euch Ossis,  denke ich, hätte ich auch fast mal als Ausländer empfunden, vor 1989 jedenfalls. So war das, genau so, wenn ich ehrlich nachfühle. Jetzt zwei Chinesinnen, oder Japanerinnen, das weiß ich nie so genau. Die gehen im Zweierpack, da komme ich nicht ran. Dann eine klar blickende Frau. Sie kommt von Gegenüber, wo das Ärztehaus ist und das angeschlossene Haus für Orthopädie.
Die wollten wohl mal wissen, wie das hier ist. Die Russin lässt sich führen und ninmt allmählich sogar wahr. Die Kleider an erster Stelle.
Ich schließe, wann ich will. Als ich zurück komme, ist das Schild umgefallen. Kein Problem, wird wieder aufgerichtet. Dann sitze ich, wie gehabt. Die Hunde haben sich arrangiert, inzwischen wieder Frauen. Wo eine ist, kommt auch eine zweite und dritte. Die dritte würde gern Klavier spielen, die zweite ist Mutter einer ehemaligen Schülerin, dann drei Skater. Die haben das Graffiti Schild gesehen, was sie gut finden und sind schon drin, sehen, fotografieren,- warum nicht und träumen mir was vom Profi Scater Dasein vor. Aber erst Abitur. Das sagen sie, ich nicht. Ich mache mir einen Spaß draus, sie zu ihrem eigenen Dasein außerhalb von GOOGLE zu ermuntern. Irgendwas Moralisches muss doch noch her. Und die Sexbetonungen ? Diese Kleider mit vorgeführten Geschlechtsmerkmalen ? Die stehen für die Sexwerbewelt, wo Sex massenhaft vorkommt. Im wahren Leben eher weniger, sage ich. Im wahren Leben vor allem Sex als Gewalt oder Macht oder eben gar nicht. Aus Angst.
Ja, Angst, sagt der Kleinere, der mir schnell noch was von seinem Kunstplan als Werber erzählt, ganz knapp. Die anderen werden Berufsscater. Und danach ? Die Sintflut.
Die Drei werden vom vierten Scater abgeholt. Hat mir Spaß gemacht, sage ich. Draußen klappert es und knirscht. Ich höre das, was ich schon mehrfach als Resultat erlebt habe: Willkürlich zerstörte Aufsteller vorm Haus, drauf getreten, runter gerissen, fest gestampft. Ich renne raus:
-Halt, wer springt da auf die Aufsteller ? Jetzt erst mal reinkommen.-
Ich packe den Ersten an der Jacke. Der kommt brav mit, entschuldigt sich kleinlaut. Der Zweite duckt sich. Dann sehen sie hin. Mir scheint, sie sehen sich die Ausstellung richtig an. -Und wie ist das mit Ihrem Auskommen in der Welt ? Nicht so üppig eben. Das geht den meisten so. Ein paar Worte über die Reichen und dann höre ich, das Schild war schon wieder umgefallen.- Dann muss ich mich wohl entschuldigen ? – Nein, wie hätten ja nicht drauf trampeln müssen. Außerdem,- jetzt wissen wir, was Sie da machen !
Ich nehme mir vor, die Tür und das Maul wieder öfter zu öffnen.

Keine Zeit

Keine Zeit

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