ich muss das noch verdauen: „ Zwei Milliarden Pappteller jährlich ! „ Wie kam Ihr Vater dazu, diese Firma zu gründen ? Wie kommen Sie dazu, dort die Position einzunehmen, die Sie einnehmen ,- eine Frage, die ich mich hüten möchte, selber zu beantworten, – und Sie geben mir bitte nur den Einblick, den Sie geben wollen. – Und wie und warum hat man Ihnen diese verklemmt brutale, pseudo- religiöse Erziehung angetan ?
Das sind echt beunruhigende Fragen . Wir alle sind ja persönlich auch Stellvertreter unserer Zeit und mehr: –
Für mich sind es immer die Geschichten und Menschen, die die Gegenstände , Gebäude und andere Materie ausmachen,- auch Kunstgegenstände, die ich als eigenen psycho realen und handfesten Anpassungsversuch betrachte,- und weiter ausgreifend bedeuten mir weihevolle Räume nicht das, was sie anderen bedeuten, oder bedeutet haben. – Ja, ich möchte die Museen mit Kirchen vergleichen und habe das auch getan, als ich dem Museumsdirektor eine Theorie plus Rezept zur Veränderung der Museenlandschaft geschrieben habe. Einen Teil davon sehe ich schon umgesetzt, ein anderer Teil stammt sicher nicht allein aus meinem Hirn…. Ein Rundumschlag meiner eigenen künstlerischen Daseins- Philosophie , hier verkürzt und schlagbaumartig hingehauen, damit ich Sie nicht langweile. –

Vorgestern also die Ausstellungseröffnung, eine Bilanz amerikanischer und weltweiter Schießkultur. Also Fotos von Menschen in Jäger- Triumph – Posen vor heldenhaft erlegtem Wild . Insgesamt sich selbst ermächtigende Eroberungsgefühle gegenüber der Natur, – zum Scheitern verurteilt, was jeder weiß . – An Tang und Ästen mit Teer überzogene Vögel und anderes Getier, – all das, was wir tausendundeinmal wiederholen und doch nicht wirklich in Betracht ziehen.
Dazu kindhaft genaue Zeichnungen in hellrot und hellblau, Mark Dions Sammlerleidenschaft gewidmet. Für das Sammeln an sich habe ich Verständnis, ich sammele leider selber, . aber kaum für auflistende schriftliche oder zeichnerische Akribien, von denen uns die Bürokratie verdammt genug liefert, selbst wenn Dions Akribie nur ironisierend gemeint ist, sie lähmt den emotionalen Einschlag –

Und ich,- der komisch tragische Fremdkörper dazwischen. Diesmal habe ich mich ziemlich verklemmt gefühlt, – hätte öfter stehen bleiben müssen, damit die Leute die mehr oder weniger blöden Werbeaufschriften an meinem Kostüm hätten lesen können,- ich war aber selbst so eingenommen und ins Betrachten versponnen, dass ich einfach nur da war, sozusagen , bin jedenfalls völlig unstrategisch vorgegangen. – Viele ( heimliche ) Betrachter kommen dann nicht über ihre eigene Scheu hinweg, wie ich wohl weiß, und schauen nur verstohlen, sprechen mich nicht an. Immerhin haben manche formulieren können, dass sie das Kostüm gar nicht so lustig finden, was mich natürlich gefreut hat. Der Schaffner im Zug hat sogar vergessen, mir die Fahrkarte abzufordern, weil er diese Frau mit den Papptellern von irgendwoher wieder erkannt hat.
So was gibt´s doch wohl nur ein Mal ? –
Ja, nur ein Mal. –
Im vergangen Jahr auf der Straße. –
Ja, oder im Jahr davor. –
Gestern ein Ausruh- und Verdauungstag und jetzt sitze ich da, bemerke wieder einmal deutlich, dass ich eine ähnliche Ausstellung für mich und meine Produkte so nicht will. Das ist zu stumpf ! –
Es muss eine Brücke geben, die die authentische Kunst Anwesenheit in meinem Haus mit dem Museum verbindet,- fußstapfenartig, – oder es klappt eben nicht. Auch wenn es altersentsprechend für mich jetzt „ ums Ganze „ geht, bin und bleibe ich eine Wilde. Das werde ich auch dem Team sagen, wenn wir über ein Mitwirken von mir und eine Darstellung meines Werks beraten.

Aus dem Blauen heraus- und das sind immer die besten Einfälle, ist mir in den Sinn gekommen, in Ihrem Ort, ( eben wegen Ihrer Firma ) einen COOP.WALK zu beginnen und in einer größeren Stadt, z. B. in Heilbronn weiter zu führen. Was halten Sie davon ? Nichts muss, aber alles kann !
Die „ Bezahlung „ ist immer eine Spende in freiwilliger Höhe. Ein Spende, die jeder Ort, jede Stadt leisten kann. Meinen uralten Transporter habe ich noch einmal „ zwangsbelebt. „ Er wird mir das nächste Jahr über noch nützlich sein, hoffe ich !
Am 14. 11. veranstaltet die Stadt Wernigerode im Harz einen COOP.WALK mit mir, wie geschrieben.
Dabei sind immer Pappteller mit im Spiel. Aus denen wird nachher jeweils ein großes Kunstprodukt, in Gemeinschaftsarbeit hergestellt und von mir künstlerisch zu Ende bearbeitet, das wissen Sie ja auch schon. – „
Denken Sie einmal darüber nach, ob Sie, bzw Ihre Firma etwas davon hat , – und entscheiden Sie, dann . –

Für Ihre Frau könnte ich ein Pappteller Kleid in ihrer Lieblingsfarbe arbeiten, wenn Sie wollen. Ich sitze gerade an einem grünen Wunderwerk, das ich selbst ganz erstaunlich finde und das ich mit echtem Naturgrün ergänzen möchte,- zu einer Modensschau im nächsten Jahr, wo es von einem echten Model vorgeführt werden soll. –

Meine Werke sind teuer, was sich aus voraussehbar begrenzter Lebens- und Produktionszeit erklärt, aus der Einmaligkeit meiner Darstellungsweise und dem geistig materiellen Kennzeichnen der zeitlichen Schnittstelle, an der wir uns als globale Gesellschaft befinden. –
Außerdem: Was andere mit Riesenproduktionen umsetzen, lege ich in einige wenige Arbeiten.
Es wird nur eine begrenzte Zahl von Originalwerken aus meinen Händen geben, aber die, die es gibt, werden Aktien sein, wie bekannt. –

Derzeit brauche ich keine Pappkarten als Spende oder Geschenk, weil die Bearbeitung des Flüchtlingsstroms oder des Schwarms noch aussteht. Dazu brauche ich erst das konkrete Datum, das sich nach Absprache mit den Kuratoren ergeben wird, oder auch nicht .-
Ich möchte aber gern einzelne Sorten bestellen, was ja auch schon eine Ausnahme Ihrerseits ist. –

Übrigens veröffentliche ich einiges aus den Briefen an Sie, damit man später die Spuren des Entstehens meiner Arbeiten nachvollziehen und verstehen kann. Ob Sie damit einverstanden sind ? Ich hoffe sehr darauf….

Mit Grüßen aus der Provinz,

Koppenbrink

widerspenstige Wildnis

widerspenstige Wildnis ?