–  Die wollen ja wiedergewählt werden, da werden sie schon Kompromisse suchen müssen .  –
Meine Rede am Samstag vor drei Damen im Eiscafe´, das heißt, draußen. Samstag sollte der letzte schöne Tag sein. Die drei haben mich mit meinen drei Karren beobachtet und wollen wissen, was das denn soll. Natürlich erst, nachem ich sie zum Wissenwollen aufgefordert habe. – Vorsichtig maulen sie ihren Kaffee und das Eis und ein kleines Murren, um zu testen, ob ich auch so eine Gutbürgerin bin. Von ihrem Platz aus können sie die Schilder nicht sehen. Aber ob die Wutbürger besser sind ? Ich frage, wie sie zu ihrer Einstellung kommen und gebe meine eigene über die orientalischen Machos ab. Klar, dass ich verstehe.
– Da wird man sofort als Rechter eingeordnet, wenn man mal sagt, dass es mit den Flüchtlingen auch mal reicht. –
– Ne, soweit darf´s nicht mehr kommen, dass einer nicht seine Meinung sagen kann.
Kein Etiketten Kleben wenn´s geht. Verstehe Angst, Beklemmung, auch Wut, klar, hab ich oft selber, verstehe vor allem Verwirrung.
Von unserem Haus aus bin ich nur ein paar Straßen weiter gekommen, bis jetzt. Vorhin 11.30 Uhr, jetzt gegen 15.00 Uhr. Das Gehen mit den Objekten, mit der Wolle schließt Menschen an. Das heißt, natürlich muss ich zuerst drauf zu gehen. Zuerst die Männer zum Armehinhalten bewegen, beim Anno, dem derzeit angesagtesten Feierhaus der Stadt, dann beim Rathaus, knapp davor, wo die Kegeltruppe frauenloses Herrenwochenende feiern, dann eine Kneipe weiter, am Marktplatz, mit den Damen und Herren von damals, wie sie mich wieder erkennen, wie sie wissen wollen, wie sie sich hören lassen, ihr Leben abrollen, es mir gern auch zweimal um dieselben Kurven vorfahren, – ein endloser Faden Teilnahme, an dem ich gerne entlang gehe.
Und jetzt eben dies: Die drei Damen mit Weitblick.
Da ist es bereits 15.00 Uhr und meine Teilnahme hat keine Risse bekommen. Mein guter Wille auch nicht, – aber meine Voreingenommenheit.
Meinem Mann sage ich: Heute neuer Tag, neues Denken.
Nur zur Radikalisierung kann mich niemand verleiten.
Oder doch ? Wenn man den Anfängen, welcher Art auch immer, nicht von Anfang an mutig genug entgegen getreten ist. Auch den Anfängen sich selbst überfordernder Offenheit vielleicht.
Ich sehe einer Reihe indonesisch wirkender Männer entgegen. So zierlich gebaut, wie sie sind, kann ich sie kaum eines Gewaltverbrechens für fähig halten, aber man hat doch von den Vergewaltigungen gehört, ja das hat man. Ich auch.
Abschließend sage ich zu den Frauen:
– Es muss Kompromisse geben können, anders geht es nicht. –
Die links Sitzende ist aber längst mit ihrer neuesten Haarschnittidee beschäftigt und die Ältere in der Mitte verkneift sich immer noch jedes Wort, und die von rechts außen begrüßt eben Tochter und Schwiegersohn. Das Thema ist erledigt.
Heute die Bild Schlagzeile : Züge von Österreich werden nicht mehr nach Deutschland durch gelassen. Am nächsten Tag neueste Grenzschließungen. Ich spreche in den Fernseher, ohen nachzudenken.
– Menschen als Waffen. –
– Was sagst du da ? –
Mein Mann ist ungehalten.
– Mit Waffen überzogene Menschen werden selber zu Waffen, wenn man ihnen nicht hilft. –
Ich mache mir meine Gedanken klar.
Nachher ist er lange Zeit stumm, was nicht ungewöhnlich ist für einen Mann. Dann kommt seine Version aus ihm heraus:
– Wer weiß, wie viele Terrorosten auf diesen Flüchtlingswegen eingeschleust werden. Darüber hast du keine Kontrolle. „
Dass ich das so hart gewusst habe, wollte ich vorher nicht ahnen. Jetzt haben sich Denken und Fühlen entblößt. Auch dieser Tag ist nicht reibungslos zu Ende gegangen. –

womencomefree-coopwalk-kairo-2012

womencomefree-coopwalk-kairo-2012