o9.09. 9.30 Uhr. Frau Plöger ist unterwegs, Frau Strothbäumer auch, aber Herr Wilke Frenzel ist da. Ich melde, dass ich die Gemeinschaftsunterkunft für die Flüchtlinge sehen möchte, ganz offiziell.
Herr Wilke Frenzel holt erst mal Luft und möchte weiterleiten, wie könnte es anders sein.
Eben an Frau Strothbäumer, die aber nicht da ist. Warum sie nicht da ist, wenn sie doch Dienst hat, frage ich nicht, – ich bin nicht die STASI , bin aber auch nicht Günter Wallraff oder der Flüchtlingsfilmer under cover in Heidenau.
Ich möchte ganz offiziell stolz auf meine Stadt sein. Stolz auf eine Stadt, die offen und ehrlich mit einer Situation umgeht, die, zugegebener Maßen, nicht leicht zu handeln ist.
– Wir können da aber nicht jeden,… – sagt er, darum müssen Sie schon mit einem unserer Sozialarbeiter… – Klar,sage ich, das ist verständlich. Aber, wie gesagt, ich schreibe drüber und ich kann Ihnen auch die Adresse sagen, – was ich unmittelbar tue,- damit Sie im Bilde sind über das, was  ich beobachte und nicht nur ich.  Ich erzähle ihm nichts von unserem Freund, der selber eben erst gesund, sich mächtig einsetzt, ebenso seine Frau, jeder auf seine Weise, und wie sie oft vor hoffnungslos unbeteiligten Gesichtern sitzen , wenn sie mit ihren Lektionen kommen, gesetzt den Fall sie sind überhaupt zum Unterricht gekommen. –
Verstehen Sie, wir können da aber nicht jeden, … –
Ja klar, sage ich nochmal, ich werde gern in Begleitung eines Sozialarbeiters die Unterkunft besuchen. Sehen Sie, sage ich noch und nochmal, ich möchte doch nichts lieber, als mich mit meiner Stadt identifizieren. Und wenn ich da nicht reingelassen werde, ist das ja auch eine Information !

Bei der kirchlichen Begleitstelle, geleitet von Herrn Kamo laufen inzwischen einige
Ehrenamtliche auf. Für die gibt’s auch Kaffee und Kuchen. Aber dass sich da von der Behörde jemand wirklich interessiert, wenn für Flüchtlinge Fahrräder gestiftet werden, – die Brüder Becker sind sehr rührig, oder wenn andere Materialien ankommen, – das kann man nicht sagen, oder besser:
Hier gibt es noch am ehesten eine positive Reaktion.
Abends im Fernsehen Ähnliches: Bitte keine Kleiderspenden mehr.
Aber Geld wie Heu, – her damit jede Menge, – der Zusatz darf gedacht werden.
Perverse Situation: Warum gibt der Bund nicht, anstatt noch mehr Geld in Waffen zu stecken, die beispielsweise Assad zum Kampf gegen die eigene Bevölkerung einsetzt,- noch und noch Geld direkt an Länder und Städte. Und diesmal ohne große bürokratische Hürden, warum gibt er nicht Geld unter bestimmten, leicht zu bewältigenden Voraussetzungen meinetwegen.
Ich freue mich allerdings in mir selber rauf und runter, dass es jetzt mal an die Kirchen geht. Die werden gefordert, ihr zurückgehaltenes Vermögen raus zu lassen,- wenigstens ansatzweise.
Mehr ? Jede Menge mehr, aber keinen Klatsch bitte, sage ich mir. Hier geht es darum , zu sehen, ob sich bei uns was tut, und wenn ja, was genau…..
Wieder 9.30 Uhr am nächsten Tag. Diesmal ist Frau Strothbäumer da und ziemlich erkältet. Dass ihre Arbeit auf die Kräfte geht, kann ich mir gut vorstellen ! Ich äußere mein Anliegen und erkläre wieder dasselbe: Dass ich eine „ Gemeinschaftsunterkunft „ sehen möchte und ..
– Ja, aber das geht nicht einfach so, da könnte ja jeder… –
– Kenne ich schon. Ich komme von der Kulturwerkstatt und schreibe über gegenwärtige Probleme und Veränderungen und den Zug der Zeit, genannt COOP.WALK und wäre , was unsere Stadt betrifft, gern stolz auf deren Bewältigungsstrategien und Anstrengungen. –
– Ja dann später,- erst mal habe ich Urlaub. Nach dem 10.10. können Sie eventuell und wenn, dann natürlich nur in eine freie Unterkunft. Es ist nämlich so, dass jeweils zwei Familien in einer Wohnung wohnen, bis sie ihren Aufenthaltsstatus bekommen und anderswo ganz frei eine Unterkunft suchen können. Natürlich ganz frei, und ganz frei suchen sie die meist in größeren Städten. – Ich lese, dass die Stadt Goslar beispielsweise eine Willkommenskultur betreibt, warum wir nicht ?
Ich weiß, dass viele Flüchtlinge verwirrt und traumatisiert und einige auch unverschämt, gleichgültig oder aggressiv sind. Ich weiß aber nicht, wie wir unter gleichen Bedingungen drauf wären . –

Informationen und Handlungswege hier :

hallo@fluechtlinge-willkommen.de

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