Turbulenzen. Aber diesmal nicht, wie in Moskau, wie nach Pussy Riot , kreisende Hubschrauber in der Luft, Aufzeichnungsdrohungen und Drohnen dicht über den Köpfen der Demonstranten, sondern blitzschnelle Absprachen der Entscheider.
Ich sehe, was ich sehe und höre, was ich höre. –
Die Fahrt nach Heidenau ist geschmeidig voran gegangen.
Ich habe vorher mit Herrn Krüger vom LHP Dresden gesprochen, dass der COOP. WALK , wie verabredet, dort im Oktober 2015 stattfinden wird und er mir auf unkonventionellem Wege eine „ Förderung „ von 200 Euro zukommen lassen will. Punkt. Ein Mikroprojekt.

Zweihundert Euro ? Was ahnt er denn, was denken die Projektentwicklungsverdienerexperten denn, was ich bereits für den COOP.WALK ausgegeben habe an Zeit, an Kraft, an Unterstützung auch.
Finanziell gesehen sicher, denke ich, ist es ein Mikroprojekt, aber nicht, was die Wirksamkeit des Sinnbildlichen angeht….
Immer die letzte Person, das letzte Objekt vor das erste,- Zeichen von Geduld, Beharrlichkeit, gegenseitige Stärkung, –  Ein Zeitsignal, wie es besser nicht geht.

Die Ehrenamtlichen sind jetzt alle in Heidenau gebunden. Sagt Herr Krüger. Und ich: Kann man verstehen. Das heißt, meint er, zur Gestaltung des COOP.WALK muss man noch andere ansprechen, wenn die aus Heidenau zurück sind. Das wird schon, – versichert er mir.

Meine Antwort: Ich brauche nur EINEN !

EINEN EINZIGEN MENSCHEN, der mir behilflich ist, das richtige Luftlinien Dreieck über die Stadt Dresden zu legen, also einen Pfadfinder gewissermaßen, damit man den Gang an drei Tangenten der Stadt strategisch richtig aufbaut, wenn der COOP.WALK auf die Frauenkirche zu geführt werden soll. Zum Beispiel.

Dienstag, der 25.08. Ich habe in Helmstedt übernachtet und komme jetzt gut voran. In Heidenau ist niemand. Das heißt, einige Flüchtlinge am Straßenrand laufen vor und zurück, vor und zurück wie die Ameisen, mit Papieren in Händen. So ist der ehemalige Praktiker Markt leicht zu finden. Er ist weiß ummantelt. Ein Friedenszeichen ?

Ich bleibe sofort und den ganzen Tag ab mittags.

Kein Ehrenamtlicher  weit und breit, dafür aber Polizisten jede Menge und Sicherheitspersonal vom DRK. Das kenne ich schon. Und, je länger ich bleibe und zusehe, umso deutlicher zu erkennen:  KEIN EHRENAMTLICHER !

Flüchtlinge in aufgeregten Kleingruppen, je nach Sprachzugehörigkeit, die sich offensichtlich beraten. Jetzt erkenne ich auch die Papiere, die sie in der Hand halten. Lernprogramme., so sieht es aus. Mit einigen Menschen komme ich leicht ins Gespräch, ein, zwei Medien Gebildete darunter und andere intelligente Menschen. Sie begreifen zuerst nicht, was die Esspappen für den COOP.WALK zu bedeuten haben. Ich versuche, sie ihnen auf den Rücken zu heften. – Aber vielleicht wären hier tatkräftige Hilfsmaßnahmen nützlicher.

Ein freundlicher Bewacher vom DRK, diesmal wirklich zur Freundlichkeit in jedem Fall verpflichtet , gibt mir zu verstehen, dass es kurz vorher Aufruhr gegeben hat. Also Randale. Und ich sehe den obersten Polizisten, wie er wieder Zettel verteilt. Das ist eine Hangelei und Rangelei nach den Zetteln. Ich filme selbstverständlich und soll daran gehindert werden. DER POLIZEICHEF REDET. Aber warum das denn nicht. Warum sollte ich hier auf einmal nicht meine kleinen, harmlosen Videos drehen dürfen ? Wegen der Randale vielleicht.

Wie sollte das anders sein, wenn man so lange rund geschickt wird,- von einer Notunterkunft zur anderen. Ein Wunder, dass sich dann doch einige auf den COOP.WALK einlassen, – immer der letzte Mensch vor den ersten mit den Pappen auf dem Rücken. Darauf die Beatles Worte:

HELP, PEOPLE, IMAGINE, PEOPLE IMAGINE HELP, IMAGINE HELP, PEOPLE

So geht es voran. Bewusst Langsam. Bewusst zielsicher.

Und dann bringen Menschen Lebensmittel, Spielzeug, Wäsche, alles, was man zum Leben braucht.

Und Kameraleute sind auf einmal da. Die vom MDR mischen sich in die Gruppe, mit der ich spreche. Warum auch nicht. Aber auf einmal werde ich ausgefiltert. Es sieht so aus, als würde das etwas vorbereitet, das ich nicht hören, nicht sehen soll.

Dann die Meldung: DIE KANZLERIN KOMMT !

Hätte ich das gewusst, denke ich …..Seltsamer Weise sind nur ganz wenig Heidenauer da. Und die drei, vier Leute sind froh, dass ich zuhöre. Und ich höre genau. Unter der Empörung höre ich Verwirrung und darunter wieder Teilnahme. Und direkt daneben die Erzählung von der Oma aus Hitler Zeiten und wie wir auch aufgenommen worden sind und dass man es in so einem Camp wahrscheinlich nicht lange aushalten kann. Das sagt eine Frau mit Herz und Fahrrad die sich im Hintergrund hält.

Und dann einer mit muskelbepackter, mühsam versteckter Wut :

Warum ausgerechnet hier, wo die Regierung doch weiß, dass hier NPD gewählt wird und dass das vielleicht kein Zufall ist, weil womöglich Gegenwehr entstehen soll….Ja, – entstehen soll ?

Und da brummt es in meinem Schädel. Pass auf Mädel, denke ich, dass du nicht auch vorzeitig verurteilst und genau weißt, was läuft….

Einigen Flüchtlingen habe ich bereits näher ins Gesicht gesehen und gröbste Feinheiten, das heißt, ausgeklügeltste Ansätze zu Raffinessen gesehen und gehört. Sie sind nicht anders als wir, na klar, sie möchten auch profitieren,- am liebsten sofort.

Den Schillerndsten von ihnen, genau den sehe ich am nächsten Tag im Fernsehen.

Ob der unter den weißen Zetteln der Beschriebenste war ?

Der oberste Polizist jedenfalls hat mich zur „Persona non Grata „ erklärt, ganz offiziell , nachdem ich nicht aufgehört habe, zu filmen, als er wieder Zettel an die Flüchtlinge verteilt hat.

Was es damit auf sich hat? Jeder scheint sich etwas davon zu versprechen, jeder.Es muss mit dem Kanzlerbesuch zusammen hängen.Abends wieder die Zettel und die Asylanten um eine junge Journalistin herum, die erklärt. Wettbewerbsstimmung. Abends ein China Snack und die Möglichkeit, mein Handy aufzuladen. Das Schlafen im Transporter auf dem Hammermarkt,- ein Hammerspaß. Ich bedanke mich bei meinen Knochen für ihre Tüchtigkeit und bei meinem Hirn für seine Unabhängigkeit.

Allerdings bin ich oft nicht vorausschauend genug…. Heute, der 28. schon. Leider kann ich kein Foto anhängen, irgendetwas klappt hier nicht, aber sicher später…

 

 

 

Advertisements