Am 23.04. die plötzliche Erkenntnis:
Petitionen dienen allenfalls dazu, sich an der jeweiligen Misere abzuarbeiten, Wut zu bedienen und zum Verdampfen zu bringen. Ein kleines Wort zum Sonntag, Verständnis als Trostpflaster von der imaginären Regierung drauf und die Fahrt geht weiter, wie bisher.
Unsere so genannte Demokratie hat sich mit den Jahren derart ins Abseits gefahren, dass all die Volksaufläufe auch kaum mehr etwas bewirken, außer Unmut vorzuführen. Und Bereitschaft zur
Aktivität durchschimmern zu lassen, was im Vergleich mit passiveren Jahren genau genommen schon viel ist. –
Wenn da nicht gleichzeitig die Angst vor rechtsradikalen Ausuferungen wäre. Berechtigte Angst !
Am 23. 04. also der plötzliche Entschluss: Ich werde unsere Regierung anzeigen.
Was eine undenkbare Position zu sein scheint und unsere allzeit bereite devote Haltung allem vermeintlich Übergeordneten gegenüber entlarvt, will ich damit vorführen. Zumindest das.

Hallo, – sage ich mir, die Damen und Herren Falschspieler mit dem Allzeit- Richtig- Ausweis, – haben uns dienstbar zu sein, dafür werden sie bezahlt.Aber wir behandeln sie immer noch als Halbgötter, die uns gnädig oder ungnädig sind. Schicksal eben.
Wir sagen, da kann man nichts machen und lassen die täglichen Berliner Flughafen – Millionen weiter an uns vorbei rauschen . –
Warum in aller Welt huldigen wir denen, die uns belügen, bestehlen und hintergehen auf eine Weise, die sie in ihrem Tun von Jahr zu Jahr mehr bestärkt in ihren kleinen und großen miesen Spielen ? Wollen wir das Kind – Sein immer noch nicht aufgeben ?
Mit einem deutlichen „ Nase- voll- „ Gefühl sitze ich im Auto auf dem Weg nach Detmold zur Staatsanwaltschaft. Klar, dass die Herren und wenigen Damen gucken werden, als hätten sie eine halbirre Alte vor sich,was ruhig an mir vorbei gehen kann. –
.Schließlich weiß ich, dass die Herren und Damen Staatsbedienstete auf meine herausfordernde Weise zur Schau gestellt werden,- nicht ich.
Und wie ich so fahre, ganz unvorbereitet, bis auf die Wut im Bauch, denke ich, dass ich damit auch die Verantwortung wahrnehmen kann, andere anzustecken. –
Stell dir vor, es kommen auf einmal viele auf die Idee, zu erkennen, dass wir mehr unternehmen müssen, als nur ein paar Demos auf die Straße werfen, – das würde die nächsten radikalen Bewegungen abfangen helfen, – mit Sicherheit.

Die Pförtner wissen zunächst nichts mit mir anzufangen, so jemand war hier noch nicht. Zu wem schicken wir sie denn ? Zur Geschäftsführerin. Aber, denke ich, die wird bestimmt gerade Urlaub haben ? Ja, ab morgen ist sie wirklich weg, also, gewissermaßen heute schon. Sie kommt aber doch hinter einem Aktenberg hervor, um sich die anzusehen, die da so etwas Unsägliches ausspricht : „ Den Staat verklagen „ Und ich denke: Komisch, dass die hier noch Aktenberge haben, wo doch alle Welt sonst in virtuellen Datenozeanen schwimmt. –
Dann Herr Kaufmann: Der steht auch gleich von seinem Schreibtisch auf, als ich das Unsägliche vortrage und fängt so über die Maßen an zu zittern, dass ich ihn sofort beruhigen muss:
Aber Sie müssen doch keine Angst haben,- ich will doch nur den Staat verklagen. –
Aber da kommt sie auch schon, die notwendige Beamtenreaktion:
Da bin ich leider nicht zuständig,- sagt Herr Kaufmann,- da gehen Sie mal zu der..
Ja, bei der Geschäftsführerin war ich gerade, – die führt eben erst ihren Urlaub durch, gewissermaßen in Vorbereitung, das geht nicht mehr. –
Dann aber, –
Nein, nichts aber, weiterleiten geht nicht. Ich war schon überall. :
Das erträgt der Herr Kaufmann nicht länger und schreit plötzlich los, dass er so was Unsägliches noch nie gehört hat und dass er sofort die Polizei holen wird. –
– Brauchen Sie nicht, – sage ich, da gehe ich schon selber hin. –
Tatsächlich mache ich mich in die Richtung auf und begegne noch zwei Herren : Ritter und Bracht, die aber noch während sie mich wichtig weiter verweisen, nicht den geringsten Eindruck von Menschenwesen hinterlassen,- Dazwischen der aus einem Zimmer gesteckte Kopf eines Justizvollzugsbeamten ohne Namen mit ebenfalls namenlosem Triumph genau deswegen.Gleich daneben die rührende Gestalt von Herrn Vaquet, der auch gern Musik machte, wenn er Zeit hätte. Hat er aber zu wenig und erzählt doch ausufernd von der unerhörten Wiederwahl eines Bürgermeisters, der sich eigentlich nicht hätte wiederwählen lassen dürfen. Er aber stellt sich ganz kindlich dazu, dass ihm mein Anliegen fremd an diesem Ort vorkommt. Kann ich verstehen. Schließlich öffne ich, nach deutlichem Anklopfen, das beantwortet oder nicht beantwortet wird, – die kleinsten Flurgeräusche sind so laut, dass man meint, einen verängstigten Herrn Kafka sich hinter einer Säule verstecken zu sehen, – ich öffne also irgendeine Tür und sehe ein gänzlich ungewohntes kariertes Hemd. Darin ein Mensch mit echt wahrnehmenden Augen. Das hatte ich hier nicht vermutet. Der schaut also und weiß gar nicht wohin mit mir, aber eher ehrlich erschrocken und überfragt.
Ja, wenn er könnte, aber darf er ja nicht, dann würde er auch den Staat verklagen. Ich sage:
– Sie sind der erste Mensch…. –
– Ja, mein Name : Adam . –
Der Witz versöhnt mich fast und ich gehe mit dem festen Entschluss, an Ort und Stelle mehr zu erfahren, mehr zu bewegen.
Noch am selben Abend schreibe ich die Anklage aus einem Guss.

 

Die tragenden Säulen

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