ART COLOGNE 2015 , – ausführlich.

Viel zu wenig geschlafen, – wegen schnell noch dieser und jener Klüngelei oder Verantwortung.
Kim für die Tiere scheint ihrer Aufgabe gerecht zu werden, wie ich meiner : Schlüssel hierhin, Geld dahin samt allen Ersatzteilen und Utensilien „für alle Fälle. „ Als Kind habe ich mich nur weg geträumt, sobald es ans Einrichten ging, jetzt kann ich wenigstens zielrichtig hindenken. – Sobald die Füße losgehen, muss der Kopf mit,- das ist die Parole.
Die Fahrt geht ohne Probleme, ich verlasse mich drauf, geführt zu werden und werde es, auch ohne Navi, bin unaufgeregt offen für alles Weiterleiten. Ähnliches gilt für viele meiner Touren. Köln ist derzeit eine einzige Baustelle. Aber es klappt. Noch vor der Öffnungszeit stehe ich am Eingang Süd vor der Messehalle. Die Parkuhr weist auf grünem Zettel vor, ich bin repariert. Nur der Nachweis fehlt. Sie nimmt mein Geld nicht. Ich sehe hinter anderen Frontscheiben gültige Zettel , gegen neun Uhr morgens ausgewiesen. Die Parkuhrladies- Razzien werden derzeit auf Stadthalden geworfen. Sanierungsprogramm für Undurchsichtigkeitseinnehmer Es gehtumGeldumGeldumGeld nach Selbsterlaubnis. Ich habe diese Abzocker nicht gewählt. Es geht nach Oberbürgermeisters Hoheit oder Bundesbehörde Soundsos Richtigkeitserklärung und Kleinbürgerlein buckelt sein Kleingeld hin, das in Windeseile zu Großgeld wird. Wo es genau hin geht und was damit genau passiert, gibt es nicht zu erfahren.
Wenn hier was nicht funktioniert, steht auf grünem Zettel, kann das nicht sein, weil repariert ! ich versuche es noch einmal. Kann ich denn nicht hören ? Ich soll endlich per Handy zahlen. Das tut meins aber nicht, weil es alt ist und das nicht kann. Außerdem muss ich mich zu der Zahlungsform nötigen lassen ?
Klar, dass ich in Gedanken mit dem Heini herum schimpfe, für den es mir nachher zu schade sein wird, meine Zeit zu opfern. „ Die sitzen ja doch am längeren Hebel, „ Den Spruch atmen wir ein, atmen wir aus. Immer noch. Dabei sollten wir uns endlich mal zusammen rotten. – Egal, jetzt nicht. Ich habe die Eintrittskarte gekauft und überrede mich zu einer kurzen Entspannungszeit auf dem eingebauten Bett im Bus ; – wunderbar ! Als ich wieder packe,- Schlüssel hierhin, Geld dahin, Eintrittskarte direkt neben das Handy, – höre und sehe ich eine der Parkkontrollladies mit Schwung ihre Dominarolle in die Luft werfen. Das macht mich so wütend, dass ich ohne Schuhe in die windige Kälte steige, mal sehen, ob sie meine Esspappe hinter der Windschutzscheibe gelesen hat: Hier geht nichts !
Hat sie und hat sie nicht. „ Die anderen haben schließlich auch einen Parkzettel bekommen.“ Ich versuche meine Wut zu beherrschen: „ Probieren Sie´s doch mal ! „ „ Ich ? Will ich denn hier mein Geld verlieren ? „ „ Dann nehmen Sie eben meins für einen Versuch,- klappt sowieso nicht. „
Sie will aber nicht, ermahnt mich, demnächst die kleine Pappparkscheibe zu betätigen, damit es nicht so teuer… Ich höre schon nicht mehr hin wegen der Fußkälte vor allem, drehe mich um und finde die Autotür zugeschlagen. Geld drin Schlüssel drin, Eintrittskarte drin, Schuhe drin und Wasser drin. Und heute Abend,- Hunde und Katze, – die kann ich nicht alleine lassen. Ich setze mich aufs Mäuerchen, Füße hoch und denke kurz nach. Dann zu einem der Taxifahrer, der tatsächlich beim ADAC für mich telefoniert. Es gibt noch Menschen unter den Menschen. Dieser war mal aus der Türkei oder so. Und dann warten, – alle Verzweiflungen in Sekunden abzählen. Noch einmal zum Auto hinschleichen und gleichzeitig die Ferne mit den Augen abtasten. Noch immer kein ADAC Auto zu sehen, aber ich entdecke, der Wagen ist nicht komplett zu geschlagen. Da ist noch ein kleiner Spalt Hoffnung zu sehen. Ich sehe und denke und kann so lange nicht auf Toilette gehen. Als der Wagen mit sympathischem jungem Mann endlich da ist, keimt Zuversicht. Besonders, als er mich dazu ermahnt. Und er pumpt Luft zwischen den Spalt, damit er die Tasche angeln kann, dieses kleine Teil, in das ich den Schlüssel gesteckt haben müsste. Ja, – er angelt eins nach dem anderen heraus. Auch den Schlüssel. All meine Mühen waren richtig eingesetzt.. Seine auch. Und die werden belohnt.
Mein schwarzes Kostüm „FEAR ME „ lässt sich nicht so leicht anlegen und sticht mich, wohin es will, das machen die Kupferfäden, und durch die Haube kann ich den Weg nicht sehen. Also ab damit. Erst drinnen setze ich sie wieder auf und wandle los. Gar nicht so leicht, ohne Sicht die Rolltreppe zu nehmen. Ich erinnere mich an Kinderängste. Jetzt schaue ich gebückt durch den Schlitz der Haube, schätze per Gefühl die kommende Stufe und lande kurz entschlossen punktgenau.
Merken: Der Entschluss setzt die Qualität einer Landung, – nicht so sehr die fein gemessene Genauigkeit.
Entsprechend halte ich meinen Kopf hoch beim Einstieg in den quadratischen, nein rechteckigen
Galerien Zirkus. Das Knistern der Metallfäden pflanzt mir mysteriöse Bewegungen ein. So passt es.
Ich ernte distanzierte Befremdung unter den Besuchern. Mancher Mann versucht, wegzusehen, wie gewohnt, um nicht bei neugierigem Blick ertappt zu werden. Die Frauen schauen schon eher, erkennen weibliche Formen unter der Frontschürze, nehmen Maß an sich selber,- so ist das immer.
Männer vielleicht auch, wenn ich gleichzeitig noch in einer Raumkapsel säße oder Titanen mit
Laser- Geistesstrahl erstäche. Männer vermeiden die Befremdung noch mehr. Ich merke aber auch: Wenn mir jemand zu lacht, lache ich entsprechend. Schließlich sage ich es laut: „ Ich lächle Sie an.“ Und ein Verstehen, eine Sympathie kommt zurück, wohl auch wegen meiner Stimme.
Ja, dies ist eine neue Erkundungstour, ein wahres Abenteuer.

Bei der zweiten, dritten Runde setzt eine Art Wiedererkennungseffekt ein. Ich sehe sich öffnende, staunende Blicke: Ja, die FEAR ME Figur kann sprechen. Sogar mit Farbe.
Die Blicke werden weiter. Jetzt gehe ich hier und da auf jemanden zu und erkläre. Rede von der Maske Drohung und Gewalt, hinter der immer auch Not steckt.
Und die Leute wollen fotografieren. Warum nicht.
Die Galerien Bilder sehe ich kaum, obwohl auch Inspirierende darunter sind : Verwelkte Goldrahmen, Bienenwaben im Abrutsch, mittelalterlich gestimmte Stileben mit Kadavern, homoerotische Idyllen oder ausgeruhtes Weiß, strukturiert, in Ruhe oder Spielerei. – Überhöhtes, – aber alles eingesperrt in Kaninchenställe.
Leute, schreit mein Kostüm,- die Zeit ist vorbei. Auf offener Fläche auf einmal Bewegung. Die Bewegung aus meinem Pappenpanzer, wie von selbst. Skurrile Automatismen in drohende Gestik getaucht. Als ich das im Video sehe, befremdet es mich selbst. Vor ein paar Tagen noch, wusste ich nicht, wie es einmal aussehen würde, das Kostüm und was damit passieren könnte.
Leute versuchen, das Material zu ertasten. Die Widerspüche im Akkustischen, im Leichten der Bewegungen und in der Schwere der Optik.
Und dann passiert mir das Fürchterliche: Ich lasse Bemerkungen fallen. Einmal über ein paar brav ausgehängte Wäscheleinenbildchen, dann während eines Kunstvereinsvortrags mit klüglichen Kunstwissersprüchen, die ich auf den Tod nicht leiden kann, oder die Kunst und Literaturerklärerei.
Ich kann nicht anders, spreche Albernes dazwischen, lande dann in einer anderen Laube, wo jemand ebenfalls mit Worten den Blindgängern die Optik bepflastert. Es geht um offensichtliche Bilder.

„ Ich kann nichts sehen, „ sage ich. „ Das ist auch kein Wunder, „ kommt es zurück.
„ Das meine ich anders, ich habe Sehschlitze. „ Im nächsten Momant rutsche ich aus, gleite seitlich weg. „ Vorsicht, da liegt was. „ – Ja, habe ich gemerkt. Aber nicht gut genug. Meine Füße tasten und erwischen weitere Schiebestücke. Ein Spaß für die Füße, ich genieße. –
„ Oh, „ sage ich. „ ich glaube, ich bin etwas dumm, „ was genau den Tatschen entspricht. Ich beuge mich jetzt im wahrsten Sinn und entdecke durch die Schlitze, dass da eine Serie von sechs Stahlkreisen liegt. Durchmesser etwa zwölf Zentimeter. Der Kunstüberstzer arrangiert die Schätze wieder in einer Linie. „ So was nennt man Serie und ist in der Kunst üblich, „sagt er und ich sage noch einmal: Zu dumm, wie ich auch bin und entschuldige mich. Weiter geht die Reise auf inzwischen wunden Füßen. Ich spreche hier jemanden an und da, gebe auch meine Visitenkate weiter. Die Kinder lassen sich jetzt mit mir fotografieren, Erwachsene auch. Sie kommen in Rudeln, und ich vergesse, mir weitere Videos drehen oder schicken zu lassen.
Es scheint, dass ich trotz Maske und Rüstung warm geworden bin mit den Leuten.
Da taucht eine burschikose Ordnerin vor mir auf und schiebt mich mit dem Bauch vor sich her.
„ Sehe Sie zu, dass Sie hier weg kommen. Das gibt es nicht, dass Sie heir Reklame für sich machen. „Ich mache überall, wo ich will, Reklame für mich. Als Mensch. Ich verkaufe nämlich nichts und vin absolut unverkäuflich. „
„ Sie machen Reklame und dürfen das nicht. „
„ Und was machen die Puma- Turnschuh Läufer hier oder die Wolfskin – Träger, oder die Merzedes Fahrer ? Und ich soll hier nicht mein eigenes Kleid tragen ? Meinen Sie, damit kommen Sie durch ? Mögen Sie mich nackt hier lieber ? „
„ Sie verschwinden jetzt. „
„ Das wüsste ich aber. „
„ Ich komme gleich wieder mit der Polizei. „
Das kenne ich schon und soll sie mal machen. Eine bessere Reklame kenne ich nicht. Nach einer Weile bringt die Frau dann zwei weitere Aufpasser mit. Die versuchen es wieder mit dem Schieben und Reden, da fange ich an, ganz laut zu werden und sogar zu schreien. Sofort schießen die Besucher aus allen Winkeln auf uns zu und filmen und fotografieren los. Da geben sie auf, die beiden Bewacher, und zwar sofort.
Das war´s aber noch nicht ganz. Ich habe mir ja nicht nur die Augen der Erwachsenen gepflückt, sondern vor allem die der Kinder. Sobald ich gesehen habe, dass da eins von ihnen was wissen wollte, bin ich hin gegangen und habe erzählt von der Gewalt, hinter der auch Hunger steckt und Not. Ob sie es verstanden haben ? Es war ja immer noch ein Vater dabei , oder eine Mutter. Und manchmal auch beide.
Und die andere Frage: Ob mich die Not der Galeristen wirklich kümmern soll? Die Not derer, die möglichst viele Künstler vertreten müssen, die ihnen Geld geben, damit sie Stände bezahlen können, die von Weltklassegeldbesitzern gestürmt werden sollen, was aber nur bei ultra wenigen Künstlern jemals passieren wird. Und das in zwanzig, dreißig Jahren, während derer sie sich ein Portfolio, das heißt, eigenes Gesicht zugelegt haben müssen, das sie niemals bekommen werden, weil man sein künstlerisches Gesicht heute nicht mehr auf Kunstmessen oder knapp daneben erwirbt, sondern auf der Straße. Soll ich wirklich Mitleid haben mit denen, die den Zug der Zeit nicht erkennen ?
Ich erinnere an die Biennale 2012 in Istanbul. Museen und Galerien hatten sich an Themen heran gemacht und geplant, ausgewählt, überarbeitet, observiert, disponiert, kuratiert und : letztendlich persifliert. Das heißt, sie selbst haben sich selbst als Witz hoch gehen lassen. .
Die Themen, die die Leute auf den Straßen zu Gesicht bekommen haben, waren dieselben, nur weit vitaler, frecher, ursprünglicher und damit umwerfender dargestellt als die Gruppe der organisierten Kunsttäter es jemals hinkriegen werden.
Wo Kunst nicht mehr passieren darf, ist sie schon der bloße Gedanke daran eine Totgeburt.
Und was man dagegen machen kann ? Fragt die Koppenbrink.

FEAR ME 2

FEAR ME 2

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