Meinen Künstlernamen leite ich von meinem Großvater mütterlicherseits ab. Er war ebenfalls Pastor, arbeitete an einer Neuauslegung der Taufe nach Luther, züchtete Tauben, spielte Geige und hat mir einige seiner feinsinnigen Malereien hinterlassen. Ich habe ihn nicht mehr kennen gelernt. Als Kind war ich davon überzeugt, – wer weiß, warum,- dass er von einem Pferd erschlagen worden ist, was meine Mutter mir erst später im Kopf zurecht rücken konnte. Meine Geschichten waren sehr lange nur meine Geschichten.Von den wenigen Großvater- Fotos, wusste ich nur: Er hat mit dem Kopf in den Wolken gelebt. Großmutter konnte gut über ihn schimpfen, weil er zum Anpacken nicht taugte. Aber sein Bruder, der Heinrich !- Sie kam von einem Bauernhof bei Werther und hieß Blotenberg. Eigentlich auch ein schöner Künstlername, der mich ebenfalls in den Wolken hätte ansiedeln können, aber,- ich wollte diesen Großvater gern weiter mitnehmen. –
Meine Mutter, ausgebildete Gemeindehelferin und zeitlebens Ehrenamtliche, – Pastorenfrauen hatten über Natur und Heirat Ehrenamtliche zu sein,- meine Mutter hat uns einen kleinen , feinen Ingrimm, einen Ehrgeiz hinterlassen, den meine Schwestern eher in Große- Welt- Beflissenheit und ich in kleinere und größere Don Quichoterien umwandeln konnte. Zeitlebens ein Hochgenuss für mich.
Als mein Vater ans Sterben kam und es klar wurde, dass ich ihn würde begleiten dürfen, wollte er drei Dinge von mir wissen: Ob ich mich reich fühlte, und ob ich ihm noch einen Pastor zum Beichten und Abendmahl Einnehmen besorgen würde. Beides konnte ich positiv beantworten. Klug wie er war, – eigentlich eine reine Händlernatur, – hatte er uns einiges als Stütze für unsere Berufsausübungen und wer weiß nicht wofür sonst noch,- ohne Kontrolle, – hinterlassen.
Als drittes wollte er vor allem wissen, ob ich ihm verzeihen könnte.
Und das konnte ich.- Reinen Herzens sozusagen.
Ich hatte in diesem Moment erst einen richtigen Vater geschenkt bekommen und danach hatte ich mich zeitlebens gesehnt, wie jedes Kind das tut.
Seine Position in der Familie,- mit Mutter , Großmutter, Tante, lauter Frauen und glaubenswilliger Gemeinde hatte einen Menschen verurteilendes Wesen aus ihm gemacht. Einen satten Selbstgerechten mit egomanischen Zügen, wovon die Welt immer noch voll ist,- aber zum Glück nicht nur. –
-Und wer verzeiht mir ? – Das habe ich ihn gefragt und alles üble Nachhalten mit einem Lachen weggewischt. – Aber er sollte mit seinem Sterben noch ungefähr drei Stunden warten, habe ich ihn gebeten, weil ich Zuhause noch Menschen zu versorgen hatte und meinen Mann dabei haben wollte. -´Und so ist es gekommen. Nach einem Pfarrer hat er nicht mehr gefragt. Und ich ? Ich war ja voll von Kirchenliedern, aber es ist mir keins auf der Zunge gewesen, – auch nicht im Herzen.
Ich habe ihm Kinderlieder vorgesungen, so gut ich das zwischen meinen Tränen zuwege bringen konnte. Und er ist sanft eingeschlafen, genau, wie es immer so schön heißt. –