Vorbereitungen zur  neuen COOP.WALK Ortung

Berliner Mauer Durchbruchsverhüllung 2013

 

-Das will keiner wissen, wie du was vorbereitest, nicht mal du selber,- sage ich. Das trifft´s auf den Kopf. Gleichzeitig der Auszug aus dem alten Haus. Mir die Bergen von gespielten und ungespielten Noten vorführen.- Ja,- Musiknoten, keine Banknoten. Das wär´s noch……Umräumen, ausräumen, wegschmeißen, nochmal nachgucken, zurückbehalten und wieder Stimmen zusammenfügen. Gewesenen Schülern eine Freude damit machen, auch den eigenen Kindern vielleicht… Die können dann selber wegsschmeißen, was sie wollen.-

 

Wirklich, ich habe alles sorgsam durchsortiert, auch für ein gutes Verdauungsgefühl im Magen: Mich der Vergangenheit stellen, für die Zukunft bereit machen, pathetisch gesagt und simpler:

Mich samt Angst vor der Begegnung mit meinen Schatten am Schopf packen und weiter.

Heute muss alles zack zack gehen, sonst bleibst du zurück.

 

Eine neue, etwas größere Geige für die Tochter meine Nichte. Großnichte sagt man wohl. Drei Geigen zur Auswahl, damit fahre ich nach Berlin. Die möglichst vorsichtig zusammengefaltete Plane mit dem Esspappenbild zur Torverhüllung hinten im Bus, dazu drei Notenberge. Klamotten zum Anziehen, Schlafzeug zum Übernachten im Bus und Esskram. Luxusprobloeme, wenn ich an andere denke und selbst verschaffte Zwänge von Nachkriegsgeborenen.

Die haben alle Probleme mit den Lasten, wenn ich mich umgucke. Ich gucke aber nicht, sonst muss ich noch mehr tragen, höre nur die Stimme des Sandburgenbaukünstlers aus Barcelona, die ich seit dem COOP.WALK in Barcelona nicht mehr los werde, höre sie immer wieder, sehe seine Augen blitzen. Jedes Mal dieses Blitzen und Scheppern, sobald ich auf seiner Strandmeile auftauchte: „ I see the burden upon your shoulder… „

 

Yes. So ist das. Ich finde mich ab, auch mit der dauernden Schlüsselsucherei oder dem Portemonnaie- Wahn, oder oder. Ja, auch mit der Wut, manches, ja, das meiste genau wissen zu wollen. Immer wieder so genau es eben geht. Geht aber nicht, höre ich mich sagen und verfluche einmal mehr meine Mehrstimmigkeit im Kopf. Andere, sagt meine Mutter, haben es leichter damit, weil sie es sich leichter machen. Reine Einstellungssache. Und die kann man üben.-

 

Bei mir, sage ich, ist das anders: Ich habe geübt, neben den Verhältnissen her zu gucken. Das geht auch, Man sieht eine Menge mehr. Klar ,dass man sich auch vertüddelt, seine Geige stehen lässt, oder die Tasche, oder den Schulranzen und so weiter.

Heute geht das besser, allerdings krame ich auch mehr und da dreht sich die Sache im Kreis.

-Soviel Zeit ist nicht. Du wirst nicht mehr lange da sein, also sieh zu.-

Ich gebe zurück. Keine Mutter der Welt ist ungeschehen zu machen,- und damit gut.

 

Die Tochter meiner Nichte ist wohlerzogen, ist besserer Leute Kind im symphatischen Sinn,- das gibt’s ja auch.- Beide Eltern Ärzte. Der Vater Kinder- Palliativ,- die Mutter Kinderärztin. Die Kleine scheint das Rundumpaket Geige zu mögen, ist körperlich, wie geistig biegsam, ebenso die Geschwister und mir geht das Herz auf. Anders kann ich es nicht nennen, muss auch mal durch und durch Freude ausdrücken können.

 

Voll davon fahre ich nach Moabit, auf meinen Alles- beieinander– Tummelplatz, den sie auch künstlich aufpeppen wollen, damit das Geld dran kleben bleibt, und schmunzele mich beiseite. Das kriegen sie hier nicht hin. Hier werden sie mit ihren Überangeboten alleine bleiben, die Verordner, hoffentlich ! Von Heiko eine abgeknabberte Garderobenkramkiste für unser Wohngewächshaus und das andere, zu Beschnuppernde ,- fließt mir vor der Nase weg: Sessel, eine Lampe. Ein junger Hering von nebenan, wo bis jetzt der Türkenimbiss war, ja, gegenüber von Ali, der Moabit Institution, der sich immer wieder zur Wahl aufstellen lässt und natürlich nie gewählt wird, der aber jede Menge Respekt genießt und natürlich Bio- Gemüse verkauft;-gegenüber davon also hat jetzt der junge Hering seinen Platz. Tut mir leid, das muss ich so umwegig beschreiben. So umwegig ist es auch, und im Gegensatz dazu, ist es so winzig winzig eng in seiner neuen Kunstundmusikundfreundekneipe, dass man eigentlich gar nichts beschreiben kann und nichts stellen. Also stellt der junge Hering die fünfziger und sechziger Jahre Sessel auf die Straße am Eck, ist ja noch Sonne, und dabei sind sie eben noch vor meiner Nase her geflossen, die Möbel, auch die kleinfeinen Nierentische. Gut, sag ich ihm, dem Hering ins Gesicht: Gut, das passt. Ich freue mich wirklich.

Zum Dank dafür lenkt er mir sein blaues Direktstrahlen ins Gesicht. Es fixiert auch. Ich frage ihn nach einem Handwerker, am besten zwei für meinen neue COOP.WALK ORTUNG an der East Side Gallery. Ich soll kommen. Vielleicht weiß er einen für mich. Sogar einen, der vieles kann und bei ihm gerade die Heizung montiert. Nicht so wie Bernd, der tüftelig ist und fix, aber gerade nicht auf meine mails antwortet. Den kennt er auch schon, arbeitet direkt nebenan bei Heiko,

der jetzt auch einen feinen Furnierkönner bei sich arbeiten lässt, auf eigene Kosten natürlich.

So ist Heiko. „Aber für so eine Kunstaktion außer der Reihe seid ihr beide zu bürgerlich, stimmt´s „ Stimmt. „ Heike und der Neue haben sich beeilt, mich los zu werden.

Jetzt sitze ich bei meinem wer weiß wievielten Milchkaffee eben in der Minikneipe und warte auf den Handwerker, während die „ Kuratorin „ irgendwem in der neuen Minikneipe die Mini- Farbschlängeleien auf Fenstern und kleinen Holztafeln erklärt und mich als irgendwen mit einzubeziehen versucht. Aber ich will nur warten.

Wenn ich keine Hoffnung habe, den passenden Menschen zu finden, wie soll ich dann jemanden zu mir ziehen ?

Immer wieder glaube ich an eine geheime Art von Magnetismus.- Da taucht wirklich einer auf mit wachen Augen und einer geraden Art. Der hat nicht auf mich gewartet und weiß noch nicht, ob er einen zweiten Mann finden wird, aber antworten wird er. Dann überlassen wir uns der Sonne, Charly mein Hund und ich, bei den Rehbergen. Ist es nicht eher unwahrscheinlich, dass da noch was klappt ? Wenn nicht jetzt, dann eben später. Beharrlich sein und nachgiebig, so will ich mich haben.

Und doch verlasse ich mich auf den Anruf. Der kommt tatsächlich, allerdings mit einer Absage. „ Am Donnerstag auf keinen Fall, „ sagt Arne, der junge Mann mit der prächtigen Energie.“ Da will man schlafen…“ Ich seufze oder jaule sogar nach Charlyart, aber bin einsichtig. Das war alles zu plötzlich.

Ich scharre mit den Füßen im ersten Herbstlaub nach unmittelbarer, neuer Zuversicht, ohne die ich nicht sein will.

Nach weiteren zehn Minuten ein neuer Anruf.Zum Glück habe ich mein Handy weiterhin dabei,was selten ist. Arne hat den zweiten Mann gefunden. „Der will am Mittwoch um sechs Uhr da sein, Um sieben muss er auf Arbeit und mehr als eine halbe Stunde ist nicht drin. „ Herzklopfen, Jubel und sofortige Konzentration.

Zwischen halb sechs und viertel vor sechs, sonst klappt es nicht, weil die Arbeiter kommen,-ihr werdet gut bezahlt. Außerdem ist Bezahlung nicht alles. Genau darum geht’s nämlich mit der Aktion, überlegt euch das, – da bin ich streng. „ Arne überlegt längst was anderes: Mit welcher Mechanik man nämlich den Kartenteppich hoch hieven kann. „ Egal, „sage ich, „ob ich es ganz verstehe, ich verlasse mich darauf, dass du es kannst. „ Und inzwischen weiß ich, genau dieses Vertrauen war das Transportmittel zur Verwirklichung des Plans…