Eine Wolke über der Stadt,eine angewachsene Dunstwolke seit gestern und nicht nur Klagebittelustdunst, halb eingestanzt, halb wabernd , sondern anderer, echter Staub aus Abgasen , gemischt mit Sand, obwohl der Verkehr still steht. Banken sind geschlossen, die meisten Läden ebenso. – You didn‘ ever happen to see the fridays prayers ? fragt mich Mohamed und legt seinen Hörer beiseite. No, I didn’t. Zur Zeit weiß ich nur eins: Ich fühle mich kränklich. Ungewohnter Schleim kriecht aus Weichteilgebieten an Kopf, Hals Brust, – alles, was mit – un- anfängt, trifft zu. Jetzt erst verstehe ich die Leute hier, die, – Verzeihung,- mal hier, mal dahin rotzen. Ich verschlinge mich und nehme alle Reste mit zurück ins Mageninnere und ins Hostel. Da höre ich, andere hat es auch erwischt. Mohamed zum Beispiel, der oft als Portier in DINA’S HOSTEL sitzt und uns mit guter Musik versorgt. Vielleicht ist alles gut so und sogar eingefädelt, weiß Gott, – wie man so sagt, – von woher, ich passe sogar wieder in die eigentlich viel zu kleine Hose, die ich aus Versehen eingesteckt habe. Ja, lieber Gott, ich könnte das mit der ART BASEL gar nicht hinkriegen ohne all diese unglücklichglücklichen Vorkommnisse. Gestern habe ich mir endlich einen Malven- und einen Anistee gegönnt. Großartig, sage ich. Werde ich mich eben zwei Tage lang, morgen ist auch noch geschlossen,- mit Tee versorgen und nachher wieder über richtiges Essen freuen. Den Fisch zum Beispiel. Richtigen Fisch mit Geschmack gibt es hier. Ich werde ihn wieder dort kaufen, wo ich das Öl getrunken und soviel Spaß ausgelöst habe. Dieser Spaß in einem zahnlosen Gesicht, oder dem, der sonst so gefügigen Kassiererin an der Kasse. Ja, meine , und andere Ausfälle bieten Vergnügliches. Gestern zum Beispiel, als ich ziemlich kaputt von der Pyramidentour zurückkam und mir die Paste für Handwäsche auf die Zahnbürste gegeben habe. Lohnt sich gar nicht, das so allein zu erleben.-

Ich friere und möchte mein Zittern bejammern, was aber auch nicht passt, weil ich mir wirklich die Rentiersocken, die dicken, eingesteckt habe. Extra diese, damit ich weiß, ich werde nicht um Weihnachten herum kommen. Jetzt ziehe ich sie noch über die anderen Socken und sage Hallelujah. Alles gut eingefädelt !

Ja, wir waren bei den Pyramiden, ein Inder, einer aus Seattle und ich. Georg hat mich doof angesehen bei meiner Verzichtserklärung, auf dem Flughafen, vor der Reise. Er weiß schon, solcherlei Großartigkeiten wollte ich beim Zurückkommen nicht zu berichten haben,- außerdem weiß er, irgendwann bin ich voll, wenn ich all das mache, was ich wirklich will.- Ich war da, angestoßen von Omar und Georg eben. Und dann sind die beiden dazu gekommen. Das macht das Taxi billiger. Aber recht viel mussten wir dann doch noch zahlen, auch ohne Führer .

Der Inder Moham, ein kleiner, zarter und Byron, der auch dichtet, ein halb mächtig, halb ungeschlachter Riese und dabei gar nicht so groß. Wir sehen eine Menge aus dem Auto heraus, die Stadt der Toten und die ewigen Rundanlagen der Bebauung, die mich entzückt. Immer wieder, Und immer wieder schlafe ich halb weg. Das war schon der Infekt, weiß ich jetzt. Wir haben uns vorgenommen, die Händler nicht zu beachten. Pyramidenbesichtigung ist uns ebenfalls nicht so wichtig. Das Anträgeabschütteln kostet neue Kraft und Konzentration : Nein,kein Kamel und weder Gräber von innen, noch Karten. Landschaft und Pyramiden reichen uns. Gut, uns gegenseitig zu fotografieren. Moham, schon älter, ist Ingenieur und Technik Lehrer für Flugpersonal, Die Jungen mögen Deutschland. ich auch. nur manches nicht. Davon erzählen beide der Reihe nach. Gemeinsamkeit stellt sich ein. Wir sind zu dritt, ich frage mich, ob einer den Führer machen wird. Den Führer ohne Worte. Ich setze mich öfter mal auf den Hintern, bevor ich einen Sprung über eine Kluft hinweg mache, – ich komme von daher nicht in Frage, aber Byron vielleicht, Byron mit seinem Bewegungsdrang, oder Moham als schnellster unserer Köpfe. Gräber, brunnenartige Schächte, Versteinerte Sandschluchten, mal ist der eine vorn, mal der andere und die Rücksicht auf mich diskret. Endlich auch der Blick frei, zu sehen. Die Sphinx erstaunt , mehr noch die ohne halbwegs moderne Hilfsmittel aufeinander gewuchteten Quader aus Granit. Dann die erste Pyramide selber, die mit den konkav aufgestellten Sandsteinen. Achtung einflößende Formationen, die nachdenklich machen. Byron, der gern auf Abstand hält, öffnet sich, gibt Wort von Kräften, die wir nicht mehr kennen. Knappes Wort. Wir sehen sein Brennen. Ich reiche die Wasserflasche herum und wir feiern unsere kleine Gruppe. Dass ich nicht alles sehen muss, wissen sie jetzt. Aber fühlen, sage ich und, dass ich allein über das Gehen, über Hitze, Dunst Sand, Geruch, mehr ahne, als vorher und mich zurück nehme imit meinen Aussagen. Die Wüste. Eine Platform, Bühne, ja, Zeichenbrett. Mit einem Blick kann ich Christo und seine Schirme verstehen. Hier erst richtig. Der Blick zurück und die Winzigkeit der Sphinx. Moham sieht meinen Blick. – Wir sind hier, um das zu lernen. –

Dann ein Schock für mich. Wir stehen vor einer Art Türkonstruktion aus Steinen, eher ein Grab, eingelassen in Felsen. Ein Schauer über meinem Rücken. Vor etwa fünfzehn Jahren hatte ich im Traum eine ähnliches Bild gesehen. Allerdings noch mit einer Felsplatte vor der Öffnung. Ich, mumifiziert und in weiße Binden gewickelt stehe in der Höhlung und bekomme einen Schrecken. Jemand hat die Felsplatte weggeschoben, sodass man hinein kann.Und die schlangenartige Erkenntnis: Ich kann vor allem heraus. Ich erzähle Moham den Traum und ich glaube, er versteht. Ja, sage ich, sls er fragt, das war vor fünfzehn Jahren und danach fing eine neue Befreiungszeit an.Byron ist auf eine Art Eingang auf der Höhe der Pyramide geklettert und posiert inzwischen mit jungen Ägypterinnen, sieht etwas verängstigt aus. Eine wild gewordene Schulklasse. Meine Eindrücke zähle ich später ab, als ich vor einer weiteren Pyramide, nach einer weiteren Fahrt , auf die beiden warte. Doch, sage ich, da war einiges. Vor allem unsere Gemeinsamkeit, dann der Ernst von Stein und Sand und mein Gefühl in den Knochen und vor allem wir, zu dritt. Ich lege die COOP.WALK Karten aus, die ich immer dabei habe und erkläre. Byron und Moham wundern sich gar nicht. Nicht über die Zahl drei an sich und über nichts.- Diesmal sage ich, brauche ich die Karten wohl gar nicht. Zum Beispiel dies ist unser COOP.WALK.Diesmal nicken sie. Ein echtes Gespräch mit Byron, der auf der Rückfahrt neben mir im Auto sitzt. Er ist Computerkünstler und auch Gedichteschreiber für Songs und gern auf Reisen. Er erzählt, als ich sage: What about your profession ? Your profession should be: Move a lot ! Da erfahre ich, er war ein ADS Fall mit hohem IQ und auch sonst nicht zu bändigen. Nur über seine Pickel macht er sich Sorgen. Das , was sich da „über seinem Körper“ ausbreitet, sind etwas zwanzig Mückenstiche um seine Knie herum, da wo er zum erstens Mal seit Monaten nackt gegangen ist. Ich kann ihn beruhigen. Den Pyramiden- Schulaufsatz schreibe ich später, also gerade eben. Gestern später kam Taweik tatsächlich, um sein Geld abzuholen. Das Restgeld, das ich ihm gern gönne, bis auf den Abzug meiner Kette, damit ich noch mit dem Zug zurückfahren kann. Alles gut eingeteilt. Oder lebe ich tatsächlich von einer heimlichen Geldvermehrung ? Den Gedanken Tage ich weiter währen ich den Schulaufsatz über das Pyramidenerlebnis zu Ende bringe. Übrigens hat mir Taweik letztendlich die Kette geschenkt. Vielleicht, weil ich ihn irgendwann mal einen kämpfenden Löwen genannt habe ? Wer weiß, wie ich noch helfen kann bei all der köstlichen Geld wie Brot Vermehrung !IMG_0271IMG_0292