25.12.12

Regenwetter zuhause. Zuhause groß oder klein geschrieben, wo man eben Weihnachten feiert in Deutschland, in Europa. Vor und hinter der Haustür der Puppenstube. Essbeschert trotz aller Entrümpelungsversuche und magenbeschwert wie gewöhnlich, wie all die vorvorigen Weihnachten.

So privat wie unmöglich, das ist deutsche Weihnacht. Frühling unter der Hand

und eigenes Lied- und Leid- Entziehungskur. Zum Glück und leider ohne Kinder.

Nur nicht umdrehen, der Plumpsack geht um, der Weihnachtsmann !

Assoziative Würgeketten auch im Auge derer, die besuchen oder Besuche ab-zuwehren versuchen: Wir bemühen uns ! Die Stunden schleichen und sind auf einmal wie weggeblasen. So war es immer.. Auch die Endlosdärme von Müdigkeiten. Jahresabschlussmüdigkeit.

Die Weihnachtsgansschenkel waren noch eingefroren und dann zu lange gekocht. Ausgekocht. „The same procedure..“ Der geräucherte Fisch von Heiligabend mit Brot und Salat hätte für alle Feiertage gereicht und wird im nächsten Jahr wieder genauso gereicht haben werden, hätten wir bis dahin nicht alles längst vergessen gehabt.Endlosdärme von: Abgehängt und vergessen, von Weihnachten zu Weihnachten, Lichter- an Lichterkette schwelender Nichterinnerungen von Jahr zu Jahr. Totenschädel dazwischen und: „Lieb´ s Mädel, musst recht freundlich sein“ – Schleifchen in Rot und Gold.

Wir haben uns dagegen abgeglänzt mit Alltagsverrichtungen: Klavierspielen, Malen, Schreiben wie immer, PC Quälerei wie gewöhnlich, das ist uns lieber. Die Erkältung kommt mir dazwischen. Mehrfach Verdumpfdampftes im Hirn, nicht wissen, wo anfangen und der Griff in die Bilderkiste: TV nebenher, das ist die leichteste Übung.

Nein, mir ist nicht schlecht, ich habe die Grippe, wie die meisten um uns herum, verzögert und doppelt aufgestockt wegen des Aspirin in Kairo, -da hängt nichts mit den Buddenbrooks zusammen, es sei denn, man wollte sich unbedingt den Rest geben.

Je später es wird, umso dringender die Furcht vor der Nacht, vor den Hustenstürmen bis nahe zum Erbrechen. Also auf dem Sofa bleiben, den Samuraifilm für neu erklären und gar nicht einschlafen wollen, dann vielleicht…

Gegen 3. 30 Uhr ein Bericht im Nebensatz über den gefälschten Wahlsieg der Muslimbrüder in Ägypten, ein Bericht über Graffiti an den Wänden der Straßen zum Tahrir Platz, diese Graffiti, die mir das Herz umgedreht haben, deretwegen allein sich die Reise gelohnt hat,- diese Straße, zu der es mich wieder und wieder gezogen hat. Jetzt erfahre ich genau, was die großen Köpfe mir ohnehin erzählt haben:

Den einen haben sie mit Wasser gefoltert, den anderen mit Feuer, den dritten mit Trockenbrot, das sie ihm zwischen die Zähne gestoßen haben, bis keine mehr da waren. Keine Zähne.Der eine musste Wasser schlucken, der andere Brot, bis er tot war.

Und wir, denke ich, Weihnachten, immer wieder Weihnachten, das ganze Jahr, mal urlaubsverpackt, mal in Markenartikel- „Mach-was-aus-deinem- Leben-“ Variation bis zur endgültigen Weihnachtswiederkehr gleich nach den Sommerferien. Ist es wirklich so wichtig, ob die Folterknechte Moslembrüder oder sonstwie heißen? Endlich laufen mir die Tränen übers Gesicht, nachdem sie sich schmerzhaft von meiner Kehle losgemacht haben, die Tränen,von der Stelle, wo der Husten gesessen hat. Für den Rest der Nacht löst er sich auf.

brand of death

to die

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