Seltsam übereinstimmende Zusammentreffen. ( Coincidences…)    

seltsam ineinander gefügte Ereignisse…

Zum Beispiel das Erkältungsgel. Ich habe es mir mit einem diffusen Bewusstsein für das, was kommen könnte, eingesteckt. Zum Glück !

Gestern bin ich durch die Stadt gelaufen mit einem dumpfen Gefühl, dass

mein Plan, eine moderne Galerie zu besuchen oder einen Gemüsemarkt, nicht so wichtig ist. Tatsächlich und zum Glück bin ich zur Demonstration mitgezogen worden.- Nicht einmal das Treffen mit dem feinen Russen schien mir noch wichtig genug. Eben begegne ich ( im Schlafanzug ) einem exzellent Englisch sprechenden Ingenieur aus Kasachstan, der mich mit seltsam weit geöffneten Augen ansieht, als ich ihm den Wechsel der drei COOP.WALK Figuren darstelle.

Gerade habe ich über den Wechsel der drei Energieformen nachgedacht. „Er ist auch studierter Ökonom und arbeitet als Manager mal hier mal da und oft in Moskau. Ich warte und er redet weiter: Zuerst meint man, das Materielle wäre das Wichtige im Leben. Möbel , Kleidung, Auto, Haus Yacht und mehr und mehr. Dann merkt man, das war noch nicht alles und die Träume kommen. „ Die Visionen, „ sage ich. „ Ja, die Visionen. „ „ Und dann ? „

Ja , ich weiß nicht. Das bewegt sich alles nicht von der Stelle und wird keine fruchtbare Kraft, wenn das Dritte nicht dazu kommt. Aber ich weiß nicht recht.- „ Energie, „ sage ich, „ Ja, Energie, aber in welcher Form.“ Er denkt nach, scheint noch nicht ganz zufrieden mit der Antwort,- ich auch nicht, wir reden weiter über das Bewahren von Nationalgefühl in unserer Zeit , über die Berührung von Kulturen, über das Überleben von alten Menschen in Moskau und andernorts in Russland, über meinen Eindruck von Moskau und den Russen. „ Sie sind sehr verschlossen, sage ich. Und verhärmt will ich sagen, aber das englische Wort weiß ich nicht. „Grief“ wäre vielleichtzu viel…

Der Mann, so um die vierzig, schaut mich aufmerksam an.

That´s funny. Or better, that´s a somehow miraculous meeting. I was just thinking about this stuff. Since days and weeks I am thinking about changing preferences of energies in life…“ Wieder sehe ich seine weit geöffneten Augen.

Ja, Energie ist alle, aber wie kann die in Bewegung kommen ? Ich habe mich schon mehrfach verabschiedet, trotzdem sitzen wir immer noch gemeinsam in der Küche. Endlich gehen wir. Oben auf meinem Doppelstockbett fällt es mir ein. Der Gleitstoff kann nicht allein Energie sein. Die Zündung muss dazu kommen. Und die Zündung ist Mut. Der Mut, sich selbst ins Universum zu werfen. MATERIE, VISION, MUT. Wenn die drei zusammen kommen, ergibt sich sich Zündstoff, Explosion und Umwandlung. Ich denke an die gestrige Demo. Da waren viele Leute unterwegs, aber nur wenige sind stehen geblieben,- haben Stand gehalten. Nur ein paar Alte waren bis zum Ende da. Leute, die nichts mehr zu verlieren haben. Es braucht noch Zeit in Moskau, bis mehr Leute zu ihrem Mut stehen und den Explosionen bis zur Umwandlung von Verhältnissen stand halten.

Die Begegnung mit dem Ingenieur hatte so begonnen. Ich stand an der Wasseraufbereitungsmaschine, die nicht funktionieren wollte. Er hat mich beiseite gebeten und erklärt: Might be, there is an interruption. All machines work similar. „ Und wirklich, ein Bauteil war nicht mit dem Gesamtcorpus verbunden. „ Ich glaube, an diesen Satz hat sich unser Gespräch angeschlossen, sonst wüsste ich ihn nicht mehr. –

Ich kann lange nicht einschlafen, so sehr ärgere ich mich darüber, dass wir

nicht gemeinsam auf den Mutgedanken gekommen sind. Endlich beruhige ich mich. Er wird darauf stoßen, wenn es für ihn an der Zeit ist.

erleuchtendeIKONENgrausameIKONEN

Hier in Moskau bin ich mit begrenztem Mut unterwegs und begrenzt ist die Wirkung. Ich habe keine Objekte auf die Straße gesetzt. Ich wollte in jedem Fall nicht festgenommen werden, um weiter machen zu können. Dieses Ziel scheint fast erreicht. Es sind noch drei Tage bis zum Rückflug.

Am späten Vormittag mache ich mich auf in die Stadt. Irgendwas wird mir da schon über den Weg laufen. Fast automatisch wandere ich wieder auf die Kapelle zu. Es ist niemand da; bis auf ein paar Touristen und Gläubige niemand.

Mein täglicher Gang. Rechts, hinter der Tribüne,auf der Terasse des Gum könnt ihr mich in Gedanken sitzen sehen.

Wieder zieht es mich zu dem gruseligen Christusbild. Ich stehe lange, um mir die Haltungen einzuprägen, damit ich zu Hause etwas darüber lesen kann.

Als ich rausgehe, sehe ich ihn auf mich zukommen, den Herrn mit der unpassenden Kappe, alles in graublau. Er steht unmittelbar.

A rather long time to wait for you.. „ Er redet mit unbewegter Mine.

Rather long to wait for YOU, „ wiederhole ich mit Betonung. Was geht mich dieser Mann an. Da ich hier keine Objekte aufbaue, das Straßenbild also nicht wesentlich verändere und niemandem ungewollt zu nahe komme, habe ich wahrscheinlich nichts zu befürchten.

It´s your choice to stay here for much longer you could wish to stay or… „

Ich erstarre innerlich, möchte mir das aber nicht anmerken lassen, krame in meiner Tasche.

I invite you to have dinner with me  and a talk in the restaurant over there. „

Ich schaue auf. Sein Gesicht erscheint freundlich, fast sonnig bei aufziehender Wetterverbesserung. Es ist wolkig und stickig zugleich, mit kleinen, sonnigen Abschnitten. Wir gehen auf die Terasse des Restaurants Gom zu.

OK“, sage ich und bin neben ihm, mit seltsamem Gefühl, aber ohne Angst.

Wir gehen auf die Terasse des Restaurants Gom zu.

Der Herr stellt sich mit einem russischen Namen vor, den ich sofort wieder vergesse. Im Restaurant bekomme ich seine Karte, alles ganz formvollendet.

I´ll give you an artwork card instead… „ Für einen Moment verliert das Gesicht vor mir seine Härte. Der Mann dehnt sich, stützt dabei seine Hände auf, wie im Sprung „ Hier nebenan habe ich mal längere Zeit gearbeitet. …„

Mir fällt auf einmal der Ratschlag des chinesischen Unternehmers ein, beim ersten Treffen mit Menschen möglichst wenig von sich zu erzählen.

Als ich nichts sage, redet er weiter: „ First of all, I invite you and you should eat all you can eat… Wir lächeln beide. „ Do you know „ all you can eat ? „

Sure, I have worked in Berlin and I still work there from time to time… „

Ich sitze gelassen da. In Wirklichkeit möchte ich nur eins wissen: Was er vonmir will, aber ich frage nicht, bestelle ein Wasser und einen Salat, aber er lässt alle möglichen Suppen, Salate und Saucen, russischen Fisch- und Fleischspezialitäten, eingepackt in Teig und Gemüse auftischen. „ Für zwei Personen selbstverständlich. „ Der Ober bewegt sich so servil, dass es mir schlecht werden könnte. Aber ich genieße das Essen doch. Heimlich beobachte ich diesen Menschen. Um seine feine Haltung herum bewegt er sich grob, fast hölzern. Er versucht, seine Energie hinter seinen Augen zu verstecken, indem er immer wieder nach innen hin sieht. Einer, der es gewohnt ist, zu lauern.

Er erzählt. Zuerst zurückhaltend, dann immer flüssiger.

Meine Großmutter war Deutsche und ist vertrieben worden. Bei meinem Großvater war es umgekehrt und ich schwanke zwischen beidem hin und her, lebe zum Teil in Moskau, zum Teil in Berlin, arbeite in der Duma mit und, wie gesagt, in Berlin. Er sieht mir direkt in die Augen. „ Nein, nicht in der Regierung und wenn, würde ich es Ihnen nicht sagen. Was ich Ihnen sage ist, dass ich zu seiner Zeit als junger Mann an entscheidender Stelle Fälscher gewesen bin. Universalfälscher mit Spezialisierung auf Markenprodukte. Und wenn du einmal die Universalfähigkeit mit angeschlossenem Vertriebssystem entwickelt hast, kannst du es in alle Bereiche übertragen. „

Sie meinen, dass unsere Welt sozusagen eine Fälscherwerkstatt ist ? „ Ich muss lachen. Der Gedanke gefällt mir.

Ich sehe, dass Sie daran Spaß haben und das wundert mich nicht. „

Der Mann schmunzelt zu mir herüber, als hätten wir eben erst unsere gemeinsame Kindergartenzeit entdeckt.

Ich habe ja noch gar nichts von mir erzählt… „

Müssen Sie auch nicht, weil ich eigentlich alles weiß. Sie machen ja kein Geheimnis draus. Über facebook zum Beispiel kann man viel erfahren. Und da sind wir schon beim Thema. Ich würde mich heute noch als Fälscher bezeichnen und glauben Sie mir, ich bin auch noch stolz drauf. Aber die andere Seite ist die: Ich habe durch diesen Beruf viel viel Geld verdient. Geld, das ich jederzeit ausgeben kann, aber nicht muss. Ich kann auch was anderes daraus machen: Einen Wert, der mehrfach nützlich ist. „ Er wartet, damit ich etwas frage, aber ich frage nicht, also redet er weiter.

Sie verfolgen eine Spur, die mir imponiert. Sie sind frech und hilfsbereit gleichzeitig. Hilfreich wie ein Kind, das noch an den Himmel glaubt. „ das letzte sagt er ganz leise, fast zärtlich. Fehlte nur noch, dass er meine Hand nähme.

Ich kontrolliere meine Mimik und sage nur:„ Oh no „

Auf jeden Fall weiß ich von Ihrer Aktion in Jerusalem, von Ihrem Protest gegen den Berliner Senat, Ihre Abenteuer in Barcelona und das meiste dazwischen.

Er lehnt sich zurück und fasst mich fest ins Auge. Jetzt wird er zuschlagen, denke ich.

Was mir aber am meisten Spaß gemacht hat, ist Ihre letzte Erfindung. „

Welche Erfindung ? „

Sie sollten eigentlich selbst drauf kommen. Es hat mit Ihrer besonderen Mischung zu tun, die ja auch Humor beinhaltet, nicht wahr ? „

Mir geht endlich ein Licht auf. „Klar Sie sprechen von meiner Marke „ Gefällt mir. „

Jetzt sieht er mich strahlend an. „ Like a child under a christmas tree.. „ denke ich, sage es aber nicht laut.

Das ist genial, weil es auf die derzeit größte Fälscherwerkstatt aufmerksam macht. „

Na ja, auf facebook ist ja nicht alles gefälscht. „ sage ich.

Gut es gibt Anregungen, Aufregungen, Übersprünge, Handlungsbeschleunigung, Mitteilungen, aber echtes Wahrnehmen und Aufmerken geht anders. Die Zeitqualität fehlt. Nichts haftet für länger.“ „ Außerdem denke ich, das „ Gefällt mir „ steht für etwas anderes: Nämlich für echtes Geld, das viele, inzwischen sehr viele Menschen nicht mehr ausreichend bekommen . „ Gefällt mir „ ist die Ersatzmünze für Arbeitslose. „

Und für solche Menschen, die im echten Leben unzureichend gesehen werden. „

Da sitzen wir nun, die Alte und der verkappte Verbrecher, und sehen uns auf einmal verschwörerisch an.

Egal,“ sagt er. „ ich möchte ein Werk mit diesen Serienkarten, die Sie bearbeiten, von Ihnen kaufen. Ein großes Werk, allerdings mit dem Wort LIKE drauf, statt „gefällt mir. „

Na ja, LIKE ist eben international .“

Genau. Und ich möchte es großformatig. Also, mindestens 1,50 x 1,5o Meter

oder besser 1.70 breit und 1,20 hoch. Etwa in dem Verhältnis. Farben und übrige Gestaltung überlasse ich Ihnen. Höchstens würde ich mir wünschen,

dass etwas Russisches drin vorkommt. Wie auch immer.“

Ob ich wohl strahle ? Ich würde mich jetzt gern im Spiegel sehen.

jetzt kommen Sie bloß nicht auf die Idee, mir zu danken. Sie bekommen gut Geld dafür. Sicher mehr, als Sie für gewöhnlich bekommen. Ich lege Ihnen die Zahl hier auf den Tisch. „

Er legt mir einen Zettel neben den Teller.

Nein, erst später nachsehen. Und kommen Sie nicht auf die Idee, weniger zu verlangen. Sie müssen wissen, ich gönne mir das, damit Sie sorglos weitermachen können, als Entschädigung für mein skrupelloses Leben gewissermaßen. Außerdem machen Sie sich keine Gedanken: : Ich werde es nämlich noch teuerer weiter verkaufen, das ist meine Natur. Jaja, jedem die seine..

Ich höre und staune. Kann das denn wahr sein ?

Ich gönne mir auch, dass ich ab und zu mal den Gönner spiele. Wie gesagt, Ihr Programm finde ich gut. Diesen COOP.WALK sowieso. „

Ihr Glück, dass Sie nicht gesagt haben: „Gefällt mir. „

Noch was: Schicken Sie mir ein Foto von dem Werk. Ich will mich reingucken können und vielleicht noch Änderungen anmelden. Sie müssen wissen, ich wäre auch gern Künstler geworden… und… vielleicht haben Sie ja gar keine Lust, auf meine Wünsche einzugehen, dann kommen wir nämlich letzten Endes doch nicht zusammen. Das Risiko gehen Sie ein. „ Ich nicke.

Das werde ich und muss ich wohl, ich brauche wirklich dringend Geld für meine nächsten Reisen. „

Kurze Zeit darauf trennen wir uns. Beim Verabschieden sieht er mich fest an, der Mann mit der unpassenden Kappe. „ Geben Sie es zu, dass Sie bei unserem ersten Kontakt geglaubt haben, ich oder der Geheimdienst wollte Ihnen an den Kragen. „ Ich nicke nur. Den Weg zurück fliege ich eher; allerdings mit vernebeltem Kopf. Zu viel gegessen, zu viel gehört, zu wenig gedacht. Alles kaum zu glauben. Aber was ich mir jetzt gönne: Für eine ganze Weile Glücklich- sein !

goodformegoodforyougoodformegoodforyougoodformegood