Happy in Moskau, whatever might happen..

 

Gut geschlafen im spartanischen Extrazimmer.

Abschwellende Gliederschmerzen. Hier bin ich also. Aber das Zimmer ist womöglich zu teuer, ich werde ein Bett im Achtbettzimmer belegen und sorglos zurechtkommen, ziehe also um, als der Administrator endlich da ist. Ein flexibler junger Mann mit guten Geld- und Menscheninstinkten. Ich bekomme ein Zimmer mit vier Nepalesen, die für vierzehn Tage auf Arbeitssuche in Moskau sind. – Wo man kein Englisch sprechen kann, sage ich, kann man sich nicht verständigen.“ Ich bilde mir ein, helfen zu müssen. „ Die alten Russen sprechen kein Englisch. „ Der eine Nepalese. ist Bauer und kann seine Familie nicht ausreichend ernähren, sagt er. Der andere hat Mathematik für It Wesen studiert. „ Solche Leute werden bei uns in Deutschland gebraucht, „ meine ich. Die Nepalesen sind so ausgeglichen und nachgiebig ,dass es für sie kaum einen Unterschied zwischen Ja und Nein zu geben scheint. Sie geben jedem Windhauch nach, was mich an ihrer Stelle wütend macht. „ Warum habt ihr das ganze Geld dem Agenten gegeben? Er wird sich kaum mehr um euch kümmern. Warum lasst ihr euch von hier nach da schieben und seid immer noch freundlich ? Während der eine mir beim Plakate Bemalen hilft, sieht der andre für eine Weile meiner Hilflosigkeit und Wut zu und macht sich dann mit anderen Kumpels auf in die Stadt. Dort werde ich später sehen, dass doch einige Nepalesen am Bau beschäftigt sind, andere pendeln durch die Stadt in Richtung Hostel zurück. – Wer weiß, ob sie legal oder illegal hier sind. Sich von fern her Gedanken um Menschen zu machen, deren genaue Bedingungen man nicht kennt, ist dumm oder anmaßend. -Jedenfalls überflüssig,- „ sage ich mir laut und schaue auf. Es hat niemand gehört.

Dann Nascha. Ein richtiger Russe ist er. Nein, Bulgare, sagt er später und funkelt mich an. Vom Abwasch her über die Tischecke durch den ganzen Raum funkelt er. Nascha ist gut im Whiskytrinken. Das sagt er von sich selber in gebrochenem international. Worte für Whisky und gut und trinken sind international. Aber ich bin eine Hornisse und wenn ich von ihm Whiskyküsschen auf den Hals kriege, ist der Weg mit dem spitzen Blick oder Bleistift nicht weit. Er hat eine halbe Flasche Whisky weg und ich keine Mühe, ihn mir vom Hals zu halten..

Beim Rausgehen merke ich mir die Straßennamen und Ansichten, um zurück zu finden.

Im angrenzenden Park zwischen den Straßen ein Kriegerdenkmal, das mich an die Szene mit den Soldaten und dem kleinen Jungen erinnert. Das war gestern Und erst jetzt sammelt sich seltsam hoch flutende Traurigkeit in mir. . Nur nicht nachgeben. Ich will den ersten Tag beim Schopf packen und schnappe mir dem entsprechend einen Straßenmaler. Der wartet auf irgendwas, oder wen, jedenfalls auf Dollars,- und wenn er sich dafür auch diese seltsamen Pappen von mir auf den Rücken schnallen lassen muss. Zwei Polizisten oder Spione pirschen sich aus dem Hintergrund an. Der junge Kasachstane wartet, zögert, tut so, als riefe er noch jemanden zum Mittun, der auch heranschwankt, und dann mit dem anderen unversehens wegschleicht. Geld gibt’s nicht. Ich sage, dass ich zahle, aber nur für meine Reisen, nicht dafür, was unsere Grundlage ist und was er offenbar nicht versteht. Kein Problem, ich verstehe auch manches nicht, wofür ich keinen Behälter habe.

Aber die erste Generalprobe muss doch her, Polizisten im Hintergrund oder nicht. Endlich bin ich auf speed. Weiter durch den Park abwärts auf den Fremdkörper in Rot zu, eine russische Kirche mitten in der Großstadtkulisse.

Ein Junge-Leute- Trio geht vorbei, das mir gefällt. Ich spreche den jungen Mann an. Der versteht sofort. Er ist Musiker und weiß, dass jeder Mensch auch Künstler ist, wenn er will. Er animiert die jungen Damen. Und kaum sind wir im Gange und schnell fertig mit dem COOP.WALK, sind die beiden Polizeispitzel auch schon da. Sie schauen uns misstrauisch über die Schulter, als ich meine Adresse an die jungen Leute weitergebe und ihre aufnehme. Der junge Mann beruhigt. Eine große Stunde für ihn, finde ich und sehe so etwas wie einen roten Teppich, den er mir mit den beiden mutigen Frauen vor die Füße legt….

Die Adressenschreiberei werde ich bis morgen besser vorbereiten. Lernen, sage ich mir, ist überall und immer. Jetzt erst bin ich richtig da. Ich freue mich gewaltig.