Bedeutungsvolle Esskarten in anderthalb Paar Schuhe gesteckt machen den COOP.WALKJetzt ist jetzt und die neuen Ereignisse stapeln sich schon wieder über die alten. Ich treffe den sympathisch geschmeidigen  Direktor des Museumsa MARTa,- soll mir ein neues Ausstellungskonzept  ausdenken, wozu ich auch Lust habe. Ich denke und schreibe,schreibe und denke, weiß eigentlich alles schon, will aber darüber hinaus und gründlich sein. Das dauert. Alles andere muss zurück treten. Sogar die Aufzeichnungen über den Barcelona COOP.WALK. Erst, als alles im Kasten ist, greife ich zurück:

Der 18. 01. ist wieder ein Schönwettertag. Und wieder frage ich mich, warum ich denn da bleibe, wo es so viel graut und graust, anstatt das schöne Wetter dauerhaft zu buchen. -Kann sein, dass es heute irgendwann abbricht,- das Wetter meine ich. Der Rest meiner selbst vielleicht auch. Ob ich die Objekte wieder kriege ? Den Beleg für den Diebstahl habe ich in meiner Tasche. Ich werde damit zur Station der  Stadtpolizei laufen, die Rambla runter, den Weg kenne ich jetzt. Rambla 43 haben mir die Polizisten gesagt und:- You don´t get it back. Anything of it. – Auf  English immerhin sagen sie mir, dass ich meine Kunstobjekte vergessen kann. Konfisziert. Der Zorn steckt in mir,- die schiere Wut. So werden sie mich nicht klein kriegen. Sie haben sämtliche “ Wünsche für die Welt“, die die Passanten an diesem Tag niedergeschrieben haben und  den Objekten einverleibt , eingesackt. Wieder sehe ich vor mir, wie einer von ihnen die Esspappe mit dem Gedicht des jungen Kiffers durchgelesen und mit hämischem Grinsen eingesteckt hat,- wie er mich das Amtspapier unterschreiben lassen hat und mir an der Stelle, wo ich die besondere Bemerkung: „…hat auf brutale Weise und ohne Anlass meine   Kunst gestohlen “  einsetzen wollte, den Stift weggerissen. Mit brutaler Geste und hinterhältig.  Da müsste nur eine verschärfte Situation entstehen und ich wüsste, wie mir die Haut davon brennen würde, die Knochen davon brächen, der Schädel mir durchschlüge, oder Bauch oder Brust- bei passender Gelegenheit.  Ich denke Homs in Syrien, denke Afghanistan, denke all die Menschen an anderer, kaum weit entfernter Stelle, denke,  was ich doch nicht denken kann.-Nein, ich werde mich nicht ducken lassen. In meiner Mietwohnung habe ich kleine Vorbereitungen getroffen, Pappen beschrieben, Weinkartons zur Stabilisation eingepackt. Ich werde den COOP.WALK mit anderthalb Paar Schuhen  auf die Straße bringen. Sonne zieht endgültig auf beim Ausstieg aus der U-bahn Höhle. Ich übe starke Schritte. Langes Ausschreiten bedeutet, den Schwung in die Hüften nehmen und über den Rücken, über Hals und Kopf auslaufen lassen und zurück zu den Füßen. Ja, zu den Füßen !ich weiß, das schaffe ich. Die ersten Gelben haben mich ins Auge gefasst, fragen mich, was das mit den Schuhen denn soll. – Das verstehen Sie sowieso nicht.- Als ich auf der Rambla bin,warten einige Leute bereits. Die, die immer da sind, am Rande, und die mit den Verkaufshütten, die derzeit nicht viel zu lachen haben. “ Wir haben schon gewartet. “ Aber hatten sie gestern nicht schnell weggesehen ? Trotzdem kann man ja warten. Einer der alten Herren, dessen Zugehörigkeit ungewiss ist,macht den Weltgewandten,  führt mit einem holländisch, französisch deutschen Kauderwelsch seinen Kollegen von der Straße vor. Ich soll dessen Wohnung kaufen, sagt er. Mit dem alten Herrn drin, nehme ich an , samt durchgepinkelten Hosen und leerem Magen. Ich blinzele zu dem, der verlegen lächelt und ziehe meine Schuhe aus  -Was, – trauen Sie sich noch ? Wir haben schon gewartet. – Das wusste ich doch. Schon deswegen bin ich wider da. Die Leute gucken. Sie gucken sogar mehr , als gestern. Ich habe die Schuhe ausgestattet und lasse sie COOP. WALKEN. Leute, die sich nicht zu sehr festgucken, fragen. Ob sie sich verständlich machen können oder nicht. Ein Vater mit seiner Tochter, der die Zahl drei erkennt und den Wandel. Dann ein junger Masseur, der sein Berufsglück in Spanien nach Jahren immer noch vermisst. Nachdem ein kluger Ibiza-Hamburger den COOP.WALK gefilmt hat, bin ich auf ihn zugeströmt. “ Die Polizisten haben Sie im Visir“,  sagt er. -Ich weiß.- Die waren schon da, aber sie kriegen mich nicht. -ja, Sie haben eine sonderbare Energie hier: Er deutet auf mein Halschakra, auf die Stelle, wo ich mir vor Jahren gewünscht habe, stärker zu werden. Als ich weiter bin, weiß ich, er hat recht. Gerade in dem Moment schwingen sich die beiden Stadtpolzisten zurück,verschlagen,  einfach aus dem Gehen heraus,   greifen meine Schuhe und schleudern sie auf einen wie zufällig vorbei fahrenden offenen Müllwagen. “ And where is your power now ? “  Das weiß ich auch noch nicht und weiß es doch: Meine Power ist meine Power und die ist nicht von meinen Schuhen abhängig. Im Weitergehen teste ich, wie ich mich jetzt fühle. Zum Glück ist es nicht wirklich kalt., die Füße fühlen das Pflaster gern, der Gang fließt, niemand kümmert sich um meine Füße, obwohl ich durchaus wahrgenommen werde. Da ist sie wieder, die mit dem Hut.- Das höre ich öfter, bis ich bei der Behörde bin. Da sind sie, die beiden Beamten, jatzt auf Motorrädern. ich beschwere mich. Einer der Gelben scheint es nicht zu glauben, verzeiht sich, ein anderer vertseht nichts, ich beklage mich wieder, dass keiner richtig Englisch kann. -Und wenn man da an der Pforte sitzt, sage ich zu dem, der sich als Obermacho aufspielt, wenn man da sitzt und Kontakt zu Touristen hat, muss man doch Englisch können. “ Speak Catalan.speak Catalan, schreit er immer wieder. Ein anderer will mich die Schuhdiebe suchen lassen. Das scheint ein beliebter Trick zu sein. Nachein paar Metern gehe ich zurück. Hier muss noch eine zweite Polizeistation sein. Ich finde sie und auch einen, der sich Translater nennt. Er hört zu und schickt weiter. Business as usual. Von meiner Schuhlosigkeit scheint er wenig gerührt. Er schickt mich zurück und gibt mir weitere Adressen. jaja, ich will ja die Vorgesetzten sprechen. Für heute teste ich noch mehrmals, dass es für mich keinen Eintritt in die Polizeistation gibt und nicht in die Welt der Vorgesetzten, die keine Adresse zu haben scheinen, -und,  noch einmal zurück, dass auch der Translater nur ein lächelndes Gesicht hinhält und ein Paar offensichtlich zu kleine Schuhe. Auf dem Weg zurück zur U-bahn sspätestens müsste ich Hoffnungslosigkeit merken. Stattdessen fühle ich mich gestärkt. Was ich gehofft hatte, stimmt wirklich. : Meine Ehre kann man mir durch Willkür und Machtanwendung nicht nehmen. Auch auf Socken und ohne Hilfe bin ich doch noch ich selbst.