Der vorige Tag bestand in Wirklichkeit aus zweien, Samstag und Sonntag,  sie haben sich nicht wirklich voneinader unterschieden. Ähnliche Begegnungen , ähnliches Wetter, ähnlicher Zumutung, ähnlichem Wohlgefühl. Das ist es, was ich sage : Ich könnte Sonnentage am Meer  ins Endlose ausdehnen und würde sie als einen einzigen Tag empfinden, zum Weinen endlos schön, aber ohne besondere Markierung. Wenn das kein Beweis ist…Ich will aber Unterscheidungen, will  Markierungen und wenn sie auch weh tun..

Die erste kommt gleich am Montag. Es bezieht sich, Wind kommt auf. So hatte ich es  nicht gemeint. Ich packe umständlich, aber ohne Regenschirm. Nass werden kann nicht so schlimm sein. Unterwegs zur U-bahn eine Menge wartender Leute vor allem ältere, aber auch junge, das Alter dazwischen fehlt. Sie sitzen auf Bänken vor Plätzen, warten vor Hauseingängen, versickern, tauchen wieder auf, langsam, unschlüssig, verloren. Ob ichwahrnehme, was ich weiß oder weiß, was ich wahrnehme ? Man braucht keine Nachrichten, um die Stimmung in Barcelona aufzunehmen. Haufen von älteren Leuten, die sich vor Lotterieverkaufsstellen drängen.  Das könnte ich nicht glauben, wenn ich es nicht sähe. Die passende U-bahn und den Catalunya-Platz finde ich leicht nach Plan. Eine Polizeigruppe vorm Riesenkaufhaus. Ich halte mich nicht zurück, obwohl es anfängt, zu tröpfeln. Die Objekte sind im Handstreich aufgeklappt, ein Grund für die Gelben, die Augen aufzusperren.

Unverständliches ist nicht erlaubt.

Die Gelben bemühen sich, zu sehen, was die Körbe beinhalten.

 
Die Frau mit Kappe und schwarzen Locken ist sofort neben mir.  Ob ich eine Erlaubnis habe, will sie wissen. Soweit verstehe ich sie. “ No I don´t need a permission, I don´t ask for money and I don´t settle down anywhere. “ And I don´t understand, speak Spanish please. ! “  “ I could speak English or French or Italian if you want, but not Spanish, I am sorry. “ Catalan. She has to speak Catalan.  -“  Einer der jungen Männer versucht, mich abzudrängen. Ich erkläre, dass ich den COOP.WALK schon an vielen Orten in der Welt durchgeführt habe und dass dies eine Kunstperformance ist. “ Aber die brauchen wir hier in Barcelona nicht. In Barcelona ist sie verboten.. “ Die junge Dame wird kantig, spielt die ganz Harte vor den jungen Männern. Ich bleibe ruhig. “ If you are the real police of Barcelona you will be able to speak English, for sure, since you are always in conatact with tourists .Barcelona is international…“
“ No permission , no stay here. “ Die junge Polizistin schreit, greift die Objekte faltet sie zusammen samt Tasche, Pappkarten und Notizbuch und stopft den Haufen in den Abfallcontainer am Straßenrand. Schnellstens reiße ich mich zusammen. Sie wird mich nicht provozieren können. Passanten stehen und starren, ziehen sich zurück. Ich bewege mich langsam, nehme mich aus dem Wutkreis heraus, gehe in aller Seelenruhe auf den Abfallcontainer zu und da geschieht das Unfassbare: Ich vergesse, die Objekte in der Tonne zu fotografieren,  die Überwindung, mich ruhig zu halten, nimmt meine ganze Aufmerksamkeit ein. Ich klaube alles wieder heraus, baue es vorsichtig wieder auf und mache ungerührt weiter. Die Hilfspolizisten sollen sehen, dass ich mich nicht einschüchtern lasse. Die sind unschlüssig, telefonieren. Endlich fasse ich mich wirklich und fange an, zu die Polizisten zu fotografieren. Die junge Frau regt sich auf, wirfft sich in meine Richtung, ich soll sie nicht fotografieren. “ This story is fine for facebook „, sage ich und mache weiter. da wirft die Polizistin sich herum und vesucht, mir das Handy abzunehmen, aber es ist zuviel Publikum da. Ein Publikum, dem sie mit aller Absicht ihre Macht vorführen wollen. … Einer der anderen Polizisten warnt die junge Frau. Sie soll damit aufhören, sie würde beobachtet, das sei zu gefährlich. “ “ Does n´t matter, sage ich noch einmal,“ fine for facebook…“ Die junge Frau schnaubt vor Wut, telefoniert wieder. Ein junger Motorradpolizist, feiner und gewandter wird herbeigerufen. Der versucht meine Grenzen herauszufinden .Wenigstens soll ich die Fotos löschen.Die Angst vor facebook ist heir wirklich nützlich.   Am Ende gibt er order, mich weiter machen zu lassen, es regnet inzwischen richtig.
 Das Spiel scheint beendet. Aber ich gebe nicht nach. Den Regen merke ich kaum. Auf dem Catalunya Platz ein junger Holländer, ein Student, der  versteht, fast zu glatt und ein junger Spanier mit wunden Augen.
Diesen wunden Augen, denen ich danach immer wieder begegne. Ich bitte ihn, auf meiner Würstchenkarte einen Wunsch für die Welt zu notieren. “ A childrens game, “ sage ich …“ and more than that… Er schreibt und malt  sorgfältig, stundenlang, so kommt es mir vor. Ich soll wiederkommen. Hier treffen sich die wohnungslosen Jugendlichen.Ein Zusammenschluss, dem er angehört.  Wann, sie wieder da sind,  kann er nicht sagen…
 
 
 

Inzwischen ist die Sonne wieder da und wärmt, wie gehabt. Aber nicht mehr lange, es wird  schnell dunkel. Ich laufe weiter, die Ramblas herunter, ohne richtige Überzeugung, werde noch zwei, drei Mal von Polizisten aufgehalten, denen ich sage, sie sollen sich bei den anderen erkundigen und doch bitte Englisch mit mir sprechen. Manche von ihnen scheinen sich ertappt zu fühlen. Nachher sehe ich Plakate, die genau darauf anspielen: Eine rote Figur, die sich schämt, kein Englisch sprechen zu können und eine blaue, die stolz ihre Arme reckt. Sie kann es. Offenbar habe ich in ein Wespennest gestochen. Sobald die Gelben irgendwo stehen, sieht man sie Langeweile schieben. Es werden manche dabei sein, die froh sind, überhaupt einen Job zu haben,- ich darf nicht weiter denken. Die letzte  Begegnung, bevor ich zusammenpacke und zur U-bahn zurückgehe: Ein Mann in den Vierzigern mit lebendigem Gesicht und salopp jugendlicher Jeans Eleganz. Ich sehe ihn stehen und nicht loskommen. Da helfe ich, spreche ihn an: “ I see you under-standing “ und lache. Ob er den Witz begreift, oder ist das nur ein deutscher Witz ? ? Ein intelligentes, ein Clownsgesicht und schnelle Reaktion ist die Antwort. Er liest den Text auf den Objekten laut vor  und skizziert die Wandlung der Worte mit den Armen. “ But you have to decide..“ Ich ahne, da hat sich  eine Kette von Erkenntnisssen in ihm auf gemacht. “ You have to decide, to stay or to go. There is nothing in between…“  “ To go from where to where on ? “  Er scheint nicht unbedingt antworten zu wollen, aber ich sehe, wie es in ihm kämpft. “ You are a Clown, are n´t you ? “  Es flackert in seinem Gesicht, dann geht er direkt auf mich zu. “ How long would you be able to work in a bank..? It is your life time, it is mine… and I have to decide. There is nothing in between… “ Ich werde nicht erfahren, was genau in ihm vorgegenagen ist. Es muss eine Menge sein. Vielleicht steht da tatsächlich ein Banker vor mir, der an einem Wendepunkt angekommen ist. Er verabschiedet sich mit großer Geste von mir. “ But I´m not the Queen, sage ich, nor the Pope.. Ein Heimweg mit müden Füßen, aber  starkem Bewusstsein.  

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