14.01.12 Ich bin da. Die kleine Wohnung mit steil engem Treppenaufgang  mir zur Verfügung, für zehn Tage von einer liebenswerten Russin an mich abgetreten. Nix gemeinsame Sprache außer Händen und Füßen und dem Willen zur Freundlichkeit, die mich Fragen an das Funktionieren von Herd und Dusche vergessen lässt. Wie könnte ich bei so geschmeidigem Wetter anders, als fließend fühlen, und frage mich, wo meine Gastgeberin denn in der Zwischenzeit unterkommt. Bei ihrer Freundin wohl, die auch n och auftaucht. Denken geht noch nicht. Umfühlen muss sein, schon der leichten Bettdecke wegen und wegen der Geräusche. Ich Rekrut eigener Gewohnheiten taste neu. Zeit dehnt sich, solange ich packe, mich auf erste Begegnungen vorbereite. Vorsichtig sein, hat mir die Spanierin an der Busstation signalisiert. Auf Rucksack und jedes Ding aufpassen. Ja, ich habe die Jugendlichen in der U-bahn gesehen, oder eher meine Gedanken ihnen gegenüber. Was zuerst ? Bewegungen im Vorhinein als Sc hatten wahrnehmen, das sollst du. Und aufpassen. War es nicht immer so, dass dir deine Träumereien nichts als Verluste verpasst haben ? Also packe ich so, dass ich jederzeit Kontrolle habe.Wenigstens über Gald und Handy.

Das Aufstellen der Objekte macht Spaß. Bloß ausklappen und schon ist Szene, ist Idee, wie vorgeschwebt. Dazu ein warmes Windchen mitten im Januar. Ich schwebe wirklich. Sand, Meer, Menschen, alles meine Kulisse, hole mich nicht sofort zurück. Ich hier, vollkommen gern bei mir selbst und  autonom dem Meer gegenüber, das ist nicht selbstverständlich, ganz abgesehen vom Mut dieses willkürlichen Aufbruchs. Meer war lange Zeit  Melancholie, unbeeinflussbar, Alleinsein Synonym für Verlust . Das ist vorbei. Nicht lange und ich bin im Gang. Nicht gerade leichtfüßig im Sand, aber im Gang. Die Gleichförmigkeit tut gut. Ob Leute teilnehmen werden, weiß ich nicht. Mehr als zwei, drei Stunden lang tut sich nichts. Oder doch, mein Zeitbegriff verschwindet, dafür fühle ich Durst, habe das Wasser vergessen, gucke nicht auf die Uhr, bin noch lange nicht genug im Tun versunken. Oben, auf der Promenade vier Frauen, deren Köpfe mir zunicken, was ich ähnlich beantworte, so lange, bis wir einander gegenüber stehen und uns durch französisches Englisch hindurch mit italienischen Brocken Verständnis zuschaufeln. Sie sind etwa in meinem Alter und ebenso künstlerisch interessiert, aber auch sportlich und als Frauen selbstbewusst, was ich sehe und glaube. Verständnis geht leicht, wenn man verstehen will. Wir fotografieren und finden uns am Nabel der Welt, zufrieden. Weitergehen gehört dazu. Ich wende mich der Promenade zu, möchte auf Stein weiterlaufen, mehr Stütze im Körper fühlen. Jetzt gucken die Sandlandschaftsbauer, die Folklorezauberer  für die Touristen. Bisschen Musik, bisschen Feurzauber dazu. Ich soll ihnen nicht das Geschäft streitig machen. Nur Touba, der junge Mann aus dem Senegal merkt den Unterschied. Er ist illegal hier, auch wenn in Berlin an der Humana Station steht, das kein Mensch illegal ist. Mein Bilderballast. Touba möchte lieber zurück in seine Heimat.  Die anderen Senegalesen seiner Gruppe haben sich auf Touristinnen spezialisiert. Touba ist der Erste, der mir einen Wunsch für die Welt in eins der Objekte wirft. Er zeichnet seinen Obergott in Fell, der es mit allen Menschen gut meint. Ich wandere weiter, als ob ich es müsste, dringend, um nichtzu  traurig zu werden  Die Promenade verschafft leichte Begegnungen. Ein junger Mann, halb Ire, halb Australier, der meine Zahl drei als Orakel nimmt. Orakel für einen Job, den er sich mit zwei Frauen gemeinsam schaffen will, dann ein anderer junger Mann mit einem Immobilienproblem in Hamburg. Eine Immobilie als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, deren Abzahlung er nicht mehr bedienen kann. “ Weggelaufen bin ich, weggelaufen, aber sie kriegen mich ja doch und das kann ich m ir nicht wegsaufen.. “ Ich erkenne meinen ehemaligen Schüler in ihm, der er nicht ist und doch: Ich bemühe mich, die Überlagerungen voneinander fern zu halten. Einen hatte ich noch nicht, der jetzt vor mir steht: In Positur mit breiter Brust und hübsch angeklebter Blondine. Tolles Design. Dazu ein schnelles Gespreche wie von Herrn Generaldirektor, der es eilig hat. Aber es gefällt ihm, was ich mache, es gefällt ihm wirklich. Der Hauptmann vonn Köpenick, denke ich und habe meinen Spaß. Zwei leicht verschnupfte Damen gleich im Anschluss mit windigem Augengeklimper. “ Oh sage ich, Sie sind ja auch Künstler, oder ? “ “ Woher wissen Sie das ?  “  “ Sieht man .“ Es sind sogar deutsche Künstlerinnen. Soll ich sagen: “ wenn Leute so von fern mit den Augen Konkurrenz abrollen , weiß ich das immer …“ Quatsch. Jeder geht seiner Wege. Am Strand, auf dem Rückweg finde ich einen netten spanischen Scater, der meinen Gang filmt und m ir von sich erzählt, obwohl wir wirkliche Sprachschwierigkeiten haben. Aber noch wirklicher verstehe ich ihn genau. Er wartet auch auf einen Job. Nein, sage ich, nicht warten, Mut holen oder Wut  und los ! In meiner kleinen Wohnung fühle ich jede Menge Durst und Müdigkeit, aber vor allem viel viel darüber hinaus…Algerier dürfen, Schwarze dürfen nicht und den Rest kontrolliert die Polizei auch...