Sie, Anfang dreißig,  hat mir gegenüber gesessen. Ihr Gesicht: gleichgültig. Ich meine, genau so gültig wie meins oder deins. Nein, gesessen hat sie nicht, sie hat geflattert. Immer mit den Fingern am Handy. Und dann hat sie geschaut zwischendurch, Nicht mich an, nicht die Umgebung an, nicht das Essen, das sie endlich bekam: Hm, den ganzen Tag noch keinen Bissen gehabt, – auch nicht richtig das im Auge, was sie eigentlich tun wollte: Da sein. Am Handy und überall gleichzeitig. Ganz unschuldig da sein ! Blond ist sie und dünn und schreckhaft. Frauen in meinem Alter sind ihr sowieso suspekt. Wie ich sie da sitzen sehe, bin ich sie, aber sie tauscht noch lange nicht den Platz mit mir. “ Welches also soll ich nehmen ? “ Ic h habe sie nach dem richtigen Handy für mich gefragt. Sie hört auf zu flattern, versucht es wenigstens und erkennt die Möglichkeit. Beraterin für mich könnte sie werden. Vielleicht. Sie ist ja auch Künstlerin, Designerin. -Und was ich mache, trage ich auch  meistens.“  Ich bitte sie, aufzustehen. Ja, sie trägt einen lieb gefertigten Rock, anders schön. Wir kommen nicht ins Gespräch, aber sie würde mich doch gern als Kundin gewinnen. Meldet sich irgendwo an und ab und tauscht sich aus mit einer Horde von Freunden, die sie ab und zu sogar sieht und: gruselig, sogar beschläft, wie, will ich gar nicht wissen. Sie ist jedenfalls hier, um Geld zu verdienen. „Promotion,“ sagt sie und wirbelt sich mit Himmelwärtsblick wichtig in die Luft. Endlich erfahre ich es. Sie verteilt vorm REWE Markt Werbezettel für eine neue Buttersorte .

Was die  Eltern ihr sagen, höre ich nicht mehr. Sie soll wahrscheinlich endlich ausziehen und was Richtiges machen und und und ich sage auch noch: Pass auf, du musst von der Sucht runter, wenn du kannst und bin weg. So schnell es eben geht !

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