18.05.11

Noch einmal habe ich mir das Brandenburger Tor vorgenommen, weil ich es mir eben vorgenommen habe und weil es so angekündigt ist und weil und weil,- ich weiß es eigentlich nicht, oder doch,- weil ich mich vielleicht reiben will. An das Fahrrad werden die Karren nur mit einem Gummi angebunden, ich habe mich durchgesetzt, auch wenn der Reparaturmeister seinen Kopf geschüttelt hat. Alle drei Karren werden hoch gestapelt. Die Räder greifen ineinander halten den Aufbau automatisch. Mir ist nur wichtig: Auch von hinten soll man jederzeit AI WEI WEI lesen. – Aber das kann gefährlich sein ,sagt der Meister, eine gebogene Stange muss ich Ihnen schweißen, gebogen muss die sein, das sage ich Ihnen, damit das Fahrrad sicher fährt.- Na ja, für zwei Wege oder vier wird´s wohl gehen und es geht leicht, immer geradeaus. Ich fahre vorsichtig bei fabelhaftem Wetter von Moabit aus über die Siegessäule zum Brandenburger Tor. Gegen elf Uhr sind die Akteure schon im Gange. Die sexy Soldaten beim Mädchenschmelzen und die Teddys und anderen Trolle auf Touristenfang. Noch bevor ich die Karren aufgebaut habe, nehme ich die mitgebrachte Straßenkreide und bearbeite das Pflaster. “ Be happy,- governments worldhunger appatizer. “ Während ich schreibe, wird geguckt, buchstabiert, gerätselt. Einem älteren Paar entschlüssele ich den Text, indem ich beide die Worte übersetzen lasse. Be heißt sei, happy heißt glücklich, government heißt Regierung,world heißt Welt und hunger heißt Hunger und appatizer ist Appetithäppchen, nicht wahr, und wenn mans zusammensetzt : Sei glücklich, du Regierungs Welthunger – Appetithäppchen ! Wow, und was heißt das nun wieder ? Ach ja, erst fressen sie dich und dann die ganze Welt und das wollen alle Regierungen dieser Erde.Erkenntnislächeln verbreitet sich.Ein besonderes Lächeln. Wenigstens zwei haben´s geschnallt, wenn auch mit viel viel Unterstützung. Die andern lesen´s eh nicht, es sei denn, man zelebrierte die Pflasterschreiberei, was ich noch vorhabe. Ich schreibe schnell noch was anderes :- Don´t use your brain, it´s dangerous !- Aber die Bankhocker wollen´s eh nicht wissen und die Hullygully- Touristen eh eh nicht. Trotzdem schreibe ich weiter. „Koppenbrink On Tour“ und da kommt auch schon die Polizei, breitschultrig, blasbäckig. Ich kenne die beiden Pat und Patachons. Die waren bei der Aktion „Goldelse sucht Goldesel“ dabei, als ich ein halbes Jahr lang jeden Donnerstag die Siegessäule umkreist habe.Die gehörten mit zu meinem Polizeischutz. Fünf- Mann – Polizeischutz für die Eine-Frau-Demo.So steht es in den Büchern, so muss man´s machen. Jaja hörthört: Ich bin eine Staatsbürgersteuergeldverschleuderungsakrobatin. Mit einer goldbeflügelten Leiter, einem halben Tierkörper aus Blech, obendrauf ein Stahlspiegel, der die Sonne einfängt und dir unvermutet die Dröhnung ins Gesicht zurückschießt, sobald du dich drüber beugst.- Sonnenergie sage ich dann, reine Sonnenenergie,- und der Geldsanduhr, diesem anstößigen Gerät aus Plexiglas, das die Banknoten in der Mitte festhält : Nichts geht mehr. Dieses Teil, das die meisten impulsartig wie im Horror erfassen und wegzucken lässt. Was bedeutet uns das, was wir vor lauter Nichtverstehen doch begreifen müssen : Das Geld steckt fest, und jetzt ? Ich habe das Ding in die einzig betretbare Bank in Berlin gesetzt und hatte sofort den Chef der Volksbank auf dem Hals. -Was soll das hier ?- Gefällt Ihnen das nicht .Es ist das Design passend zu Ihrem Haus, wir haben uns Mühe gegeben. – Das Blau des oberen und unteren Rahmens passt tatsächlich genau zum Blau der Bank. Georg filmt, ich frage, warum er diese Leihgabe nicht entgegen nehmen will, der Bankchef. Noch eine Weile weiter und die Polizei ist da, Georg draußen, jetzt wird´s ihm doch zu heiß. Ja, so war das, aber jetzt haben mich diese beiden hier am Wickel.- Was machen Sie da? – Sehen Sie das nicht? Ich male mit Straßenkreide auf´s Pflaster. Na, sind wir denn so weit, dass wir aus lauter Langeweile den Kindern schon das Malen mit Straßenmalkreide auf dem Pflaster verbieten wollen ? – -Sehen Sie bloß zu, dat Se det wieda wegmachen.- Haha, sage ich, wahrscheinlich besorgt das schon der Regen . – Wehe wir erwischen Ihnen dabei, dat Se wat Politisches da hinsetzen , dann… – Wehe wir erwischen Sie, sage ich… Ne, uns doch nich… Na, wat dann ? – Die beiden fühlen sich angezinkt, ziehen sich halb zurück vor das Portal der Deutschen Bank,wo sie fast den ganzen Tag hocken, die Mütze halb über die Augen gezogen, blöde bemitleidenswert in ihrer Langeweile. Ich großspurig hinterher. -Ach bitte,- ich zücke Heft und Bleistift( nach erbärmlichem Muster), ach bitte geben Sie mir doch mal Ihre Namen. – Die beiden treten wieder aus dem Schatten. Unsere Namen bekommen Sie nicht , wir fragen ja auch nicht nach Ihrem, aber hier haben Sie unsere Nummer. – Ich bekomme ein hellblau verknautschtes Quadrätchen.- Schade, mein Fotoapparat tut es gerade nicht, aber das geht auch anders.- Ich ziehe mein Notizheft heraus und skizziere die beiden , was ganz schnell geht. Ihre Gesichter sind mir ja bekannt. Komisch, sie verziehen sich wieselflink noch mehr nach hinten. Von da an habe ich Ruhe vor ihnen. Ich kann schreiben, soviel ich will und man sieht es ja: Die Kreiderei wird schnell vertrampelt. Wer von den Berlinbesuchern will schon was anderes als Party ? Niemand.

Drangehängt will ich sagen: Ich habe gelernt, die Deichsel leise auf´s Pflaster zu legen, damit die Pferde nicht erschrecken. Und dem einen, der mir gesagt hat, dass er mich stundenlang beobachtet hat und trotzdem immer noch nicht weiß, was ich da mache und den ich gefragt habe,ob er was von der Langsamkeit versteht und ob er denn den Namen Ai Wei Wei schon mal gehört hat und wenn nicht, dass ich ihm auch nicht helfen kann, weil er sich zuerst mal um das kümmern soll, was in der Welt passiert, diesem Menschen danke ich. Er ist gar nicht wütend geworden oder ungeduldig, sondern hat meine Graffiti studiert und sich angehört, dass ich Widerstand gelegentlich für eine Tugend halte, jaja hat er gesagt, nicht zuletzt in der Elektrotechnik und ich darauf: Wieder was gelernt,- diesem einen schicke ich noch ein dickes, langes Andenkendanke hinterher. Ich danke auch den Mädchen, die ich angemacht habe und gefragt, ob sie auch noch was anderes sein können, als nur niedlich , zum Beispiel auch kritisch und rebellisch und dass sie trotzdem ihre Schönheiten behalten dürfen, die eine ihre grünen Augen, die andere ihre roten Haare, die nächste ihre schöne schöne Haut und die neben ihr diese ewig langen Beine. Danke sage ich, dass sie mitgegegangen sind und mir ihre Frechheiten und die ihrer Mütter entgegen gejubelt haben. Und Ich bitte den Tamilenjungen, der gegen 17 Uhr , immer dann, wenn die kleinen Demos dran sind, am inszenierten Grabmal für die 60 000 ermordeten Brüder und Schwestern in Sri Lanka mir einen Erläuterungszettel in die Hand gedrückt hat, die meisten andern wollten ihn nicht haben, nichts von den Trauergestalten wissen, diesen Tamilenjungen bitte ich, wie ich es schon am Platz getan habe, durchzuhalten, damit er seine Trauer irgendwann umwandeln kann.Dem zugezogenen Russen, der die Touristen zeichnet und sein Unverständnis gegenüber diesen Tamilen ausdrückt sage ich nochmal: Aber du bist doch auch zugezogen und hast mich eben noch gefragt, nicht so direkt vielleicht, was ich Fremdkörper denn nur auf dieser Gemischtwarenbühne will, dir sage ich : Jaja, wir sind alle hier Fremdkörper, mehr oder weniger,auch wenn du mir deinen deutschen Pass vorzeigst und ich dir meinen. Nur das Starbucks da nebenan, in dem es vor Geldeinsacken nur so dröhnt, auch wenn in den Klos Scheiße und Papier überquillt, dieses Starbucks, in dem ich mitten in das Hinnehmen der andren hinein eben noch Protest geschrien habe, dieses Lokal ist echt Deutschland.

19.05.11

Schreiben schreiben schreiben und mir A. vorknöpfen, meiner Mitbewohnerin in Berlin, die nicht genug Rücksicht nimmt. Schönes Gespräch mit S. Der will bald ausziehen; bewirbt sich derzeit um einen Pilotenausbildungsplatz in Frankfurt. Mit A, werde ich auch wieder zurecht kommen, wenn sie einsieht, dass ich in meinem Zimmer nicht ihren Dreck vorfinden will. Schreiben schreiben. Endlich habe ich Ruhe dazu und um mich herum keine anderen Ansprüche.

20.05.11

Ich wollte eigentlich das Berlinbuch zuklappen. Für dieses Mal, höchstens noch auf den Winterfeldmarkt gehen, morgen, bevor ich fahre. Aber ich habe gehört, die schöne, neu lackierte Goldelse darf heute wieder bestiegen werden, also fahre ich hin. Das Fahrradhaltegummi ist schon ziemlich durchgeschabt, muss noch eine Fahrt überstehen. Ich rattere los, die drei Wagen angehängt, nachdem ich Klebestreifen eingesteckt und alles in Ruhe vorbereitet habe. Mit A eine kleine, direkte Vorhaltung. Sie widerspricht mir nicht, steht aber da, die Fäuste in die Seiten gestemmt, guckt starr. Heute finde ich mich umständlich, schon morgens übertrieben langsam. Dem seltsamen Drang, die Hürden der Bürgersteige auf dem Fahrrad schnell anzutreten und mit einem Riesengeknalle auf-oder ab zu springen, kann ich nicht widerstehen. Ich holpere und knattere über jedes Hindernis, habe die Gummis längst nicht mehr im Sinn. Ein weiteres Phänomen: So oft ich auch schon um die Siegessäule gekreiselt bin, – ich verpasse jedes Mal die Ausfahrt. Das heißt, ich erfasse zuerst und vergesse sofort beim ersten Eintauchen in die Gondelei rund rund rund, sei es, dass ich auf dem Fahrrad sitze oder im Auto oder zu Fuß gehe. Ob das Kreisen so eine Art Betäubung auslöst , als schwämmen wir in einer uteralen Ursuppe ? Bei mir scheint es so zu sein. Wie oft habe ich nun schon hier getourt und noch nie durchgehend den Kopf oben gehabt. Auch diesmal verpasse ich wieder, wie gestern, die richtige Ausfahrt. Als ich mich umdrehe, um mich neu zu orientieren, habe ich nur noch einen Wagen am Fahrrad. Zwei muss ich unterwegs verloren haben. Nicht mein Tag heute. Ich fahre zurück und da liegen sie. Der eine auf dem Kopf, der andere drüber gebockt. Nichts passiert, nur ein Katzenauge ist ab. Und wieder in Richtung Goldelse. Da ist die coole Dame wieder von den Vorjahren, am Siegessäulenbistro. Die Hiostorikerin, die es eigentlich nicht nötig hat, mit amüsiert erhabenem Lächeln.- Na,- geht´s wieder los und gerne ? – Sie wiegt den Kopf, schaut weg, her, weg, ganz Großfürstin, gibt mir mein Wasser. – Na ja, die richtige Eröffnung ist eigentlich erst morgen.- Ich stehe zwischen Bleiben und Gehen und bleibe dann doch. Irgendwie mag ich die leere Bühne um die Säule herum. Oben nur vereinzelte Besucher, ich klebe mir ein “ Koppenbrink On Tour“ auf den Rücken und fahre mal mit Fahrrad und Dreiergespann- Aubau auf dem unteren Ring immer um die Goldelse herum. Ganz langsam und wackelig, aber in guter Fahrrinne mit Gedanken und Nichtgedanken, und halb im Tran, die Autos dazu in gleicher Richtung. So wird die Beschriftung lesbar. Wie gestern brütet die Sonne bald, Durst stellt sich ein. Auf meinen Umrundungen finde ich Kleber und Schere wieder. Seltsamer Tag. Ich werde jetzt zum Bistro gehen und der Großfürstin vorschlagen, mich mal einzuladen, mich mal umsonst zu verköstigen für all die Werberunden der vergangenen Jahre. Die Dame ist mit ihren Studenten beschäftig. Denen zeigt sie das Kassieren mit der Rigistrierkasse und wo was steht und wie was zu handhaben ist. Ich frage knapp dazwischen, ob sie mich nicht mal einladen will und schmeiße dies hinterher: Auch wenn die Damen auf dem Straßenstrich noch so schön neu lackiert sind,- ich zeige auf die blinkend neue Statue, Ihr Ende bleibt doch irgendwann ihr Ende. Na, was sagen Sie zu meiner Frage ? Ein bleiches Gesicht ist die Antwort. -Für sowas habe ich jetzt keinen Nerv.- Ich halte ihr meine Karte hin, die mit der bleichen Gestalt, die den Tod hinter sich herzieht, hinten drauf meine Adressen. – Aber für Ihren letzten Termin werden Sie dann doch zuständig sein ? – Ich weiß gar nicht, was die Frau will. – Die Gräfin schüttelt den Kopf.- Oh doch, Sie sind , soviel ich weiß, ausreichend gebildet. – Das glaub ich nicht.- – Meinen Kommentar zu den Damen vom Straßenstrich haben Sie ja schon bekommen. Um nicht vor ihren neuen jungen Auszubeutenden komplett das Gesicht zu verlieren, verschwindet die coole Person irgendwo im Hintergrund. War sie es nicht gewesen, die ich bei meinen Senatsanfragen mit bedenken sollte, damit ihr Pachtvertrag noch einmal verlängert wird, und die meinen Brief nicht einmal beantwortet hat, nachdem sie wahrscheinlich herausgefunden hatte, mein Entwurf sollte abgelehnt werden ? Ich nehme Würstchen und Wasser und mache mich auf zu neuen Runden. Bierbuden werden aufgebaut, auch auf der Strecke zum Brandenburger Tor. Mit dem Fahrrad will ich noch einmal den Pariser Platz umkreisen, das Fahrrad tut es auch. Kaum überquere ich die Fahrspuren, kommt ein Rikscha Mann auf mich zu.-Sie wollte ich immer schon mal treffen und jetzt kommen Sie selber zu mir. Seit Jahren sind Sie ja schon unterwegs, nicht wahr ? Und jetzt verraten Sie mir doch, was Sie da machen. Mit ein paar Rückfragen kriegt er das selber raus und spricht von seiner eigenen Langsamkeit mit seinem Tretgerät ähnlich gelagert. Da muss man erst einen gesundheitlichen Stupser kriegen, bis man begreift, Eile ist Gift. Eigentlich wollen nur die Kunden immer schnell schnell weiter, ich nicht. – Und dann hat er doch umgesattelt.- Das tut mir körperlich gut, nur im Winter nicht, wenn ich auf der Couch liege. Alles andere ist besser, als die Couch. Da werde ich auch noch was erfinden.- Er lacht breit und sympathisch. Ja, eigentlich sind wir alle Kumpels mit denselben Interessen. Auch der gute Mann aus Marzahn gehört dazu, den ich gleich treffen werde und der sich für meine Plattensammlung interessiert. -Na, Sie sind ja froh, wenn Sie se los sind, oder ? – Fast, aber nicht ganz so, ws haben Sie mir denn zu bieten? Ich lese aus meinen Gedichten , wenn Sie einen Vortragsabend für mich organisieren. Das machen Sie mal und Sie bekommen, was Sie möchten.“In diesem Moment lerne ich, rechtzeitig Bedingungen zu stellen, oho, und das in meinem Alter. Mal sehen, ob was draus wird. Beim Starbuacks gucke ich natürlich auch und frage die Benutzer der Toiletten. Meine Beschwerde hat genutzt. – Es geht, sagen die Frauen.

Auf dem Platz eine DDR Verschleppten Demo. Ein gefolterter Mensch aus diesen Zeiten beschlägt mich mit seinem Trauma. -Andere Schmuggeler sind nach drei Tagen davon gekommen, mich haben sie jahrlange verknackt und gefoltert. Ein Mann mit starker , anklagetrainierter Stimme. “ Sprechen Sie nicht nur für sich. Es gibt Millionen Misshandelte. Sprechen Sie für andere mit, sonst habe ich kein Ohr für Sie.“ Was mich aber doch auf die Stelle bannt, ist ein einziger Punkt: Es gibt in Deutschland keinen Folterpargraphen. Man musste die DDR Schuld formal übernehmen, klar, aber auf diese Weise nicht für die Opfer aufkommen. Alles verjährt. Neue Foltern anderer Art können drüber wachsen. Dies geschieht im Verborgenen. Aber was auf der Oberfläche liegt, soll nach großer Toleranz riechen.

Heute belangt mich keiner mehr .Offensichtlich haben die Bewacher Order bekommen. Erstaunlich, wieviel Freiheit mir zugestanden wird. Ich begebe ich mich gleich auf den Bürgersteig vor der Akademie der Künste, stelle meine Wagen der Reihe nach auf und zücke die Kreide, will doch noch sehen, ob ich das hinkriege, die Leute zum Lesen zu bewegen. „Don´t use your brain, it´s dangerous.“ Ich schreibe groß, langsam, male die Buchstaben aus, setze langsame Bewegungen ein, wie beim Gang mit den drei Wagen, da gucken die Leute, wüssten gern, was da entsteht, warten. Offensichtlich eine gute Inszenierung.Auch die Abgrenzung des Raums durch die Wagen. Einige fotografieren Wagen und Schrift.- Mein -Ach, ich bekäme auch gern ein Foto geschickt- kommt zu spät, aber ich habe neue Überwindungen im Kasten, auch die, wie ich Leute fessele. Ich pirsche, flüstere meinen Text, greine, jaule oder beschreibe den Gang der Leute an der Schrift vorbei in die Luft, mit magischen Körperbewegungen, langsam. Niemand kann sich entziehen. Habe ich nicht gut abgeguckt vom Pantomimen ? Das war gestern. Gut Alte, sage ich mir, du lernst ja noch, nur nicht die kleinen, die eigentlich wichtigen Sachen. Jetzt hast du kein Foto davon.- Ach bitte, sei nicht so streng, alles kann man nicht.-

Noch eine junge Frau, die drüber geht. Ich puste mich au, gestikuliere sie zur Seite :- Hilfe, Sie laufen auf meinem Gehirn herum… – Oh Entschuldigung, das in der nächsten Nähe sieht man nicht.- Ich lache das Wesen an. -Toll, den Satz nehme ich mit und beachte ihn auch.- Da habe ich noch eine echte Freude. Und ein junger Mann, der die Schrift liest, – ich will siedann den Füßen der Leute überlassen . – – Er hat das Wort WIDERSTAND gelesen, mit dem STAND verkehrt herum geschrieben. Ein über und über mit Picken überzogens Gesicht wendet sich mir zu. Ich spüre, die Frage ist diesem jungen Menschen wichtig. Was heißt für Sie Widerstand ? Ich schaue zur Seite,denke nach, suche: -Widerstand dem Nicht-merken gegenüber.-Das gefällt mir, gefällt mir wirklich.- Zufrieden geht er weiter mit seiner Gruppe.

Ich trampele zurück, diesmal vorsichtig, damit ich meine Fracht nach Hause bringe. Dort entdecke ich, der Hausschlüssel ist weg. wahrscheinlich im Keller vergessen oder im Innenhof. Mal wieder Pleite im Kopf, Asche auf´s Haupt, ich frage in der Pension unten nach. Der junge Taiwanese zögert. Ja, man hat ein Schlüsselbund oben an den Türknauf gehängt. Hat man nicht, aber A. ist zu Hause. Dann muss ich also keine Strafnacht auf dem Flur verbringen.