16.05.

Es ist frösteliges Wetter. G. am Telefon nicht zu erreichen, Isabell will mich noch sprechen, will wissen, wie das mit meinem Schamgefühl ist, wegen der Performancearbeit auf der Straße. „Dieses Straßenleben“ sagt sie dazu, – das muss dich doch runterziehen.- Abends also auf ein Bier. Ich weiß schon, es wird ein laut geredetes Selbstgespräch daraus, was sich schnell bestätigt . Gar nichts will sie wissen, wie gewohnt. Macht nichts, nach dem Bier bin ich wieder weg.

Nachmittags schleiche ich in Alt Moabit herum , an den Spreebögen vorbei, wie es mir der Herr mit der Nase für das Wesentliche beschrieben hat. Ich nehme wahr. Gute alte Bausubstanz überführt in Luxusambiente von der Stange und modern erweitert zu Marke Fertigbau für Möchtegern- Feinschmecker. Wie in Hamburg oder München, so auch in Köln oder Berlin in Ewigkeit amen. – Innenministerium, Kaufetagen, Ausstellungsbereiche gut und schön, aber alles in allem ohne Inspiration. Ein Museum für junge Künstler,- hier ? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich frage nach der Alten Feuerwache. Der Hausmeister versucht, mir per Navi weiter zu helfen, hat sowieso gerade nichts zu tun. Er findet nichts. Ich klappere die Häuser ab. Vielleicht treibe ich sie gegenüber, neben der Kirche auf, gegenüber. Nichts. Ich durchpirsche Hintergebäude, ein Wohnheim für Bedürftige,- das werden sie nicht heute oder morgen räumen,- sieht auch nicht nach ehemaliger Feuerwache aus. Ich frage Leute zuhauf, die sich nett bemühen, mir weiter zu helfen. Es könnte sich wieder einmal zutragen, wie im Märchen von den drei Prinzen, dass die Bäume weiter helfen oder ein Vogel vielleicht. Ich will also den Park durchqueren, auf der anderen Straßenseite mein Glück versuchen. Nicht möglich, dass der besondere Herr nur etwas dahergeredet hat. Ein leichtes, ruhiges Stück Park mit schön angelegtem Spielgelände tut sich auf. Da. Im Hintergrund entdecke ich einen Pavillon, siebziger Jahre, gut in Schuss, leicht mit Graffiti überzogen. Es kribbelt überall, ich bin glücklich. Was für ein guter Bau. Der ist es. Ich sehe sofort vor mir, wie er sich mit liebevollem Auge in einen Goldschatz von Museum verwandelt. Den ganzen Tag über hält das Glück an. Ich weiß, da passen mehrere Existenzen haargenau zusammen und wundere mich nur über eins: Wie konnte dieser Mensch mich erschnuppern, quer über die Straße auf mich zu kommen und mich ansprechen ? Offenbar gibt es Ereignisse , die märchenhaft vor sich gehen.

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